baja california, mexiko  12.2011

einreise nach mexiko (baja california)

zusammen mit horst fahren wir am 1. dezember 2011 zum mexikanischen grenzstädtchen tecate. horst haben wir in yucca valley kennengelernt und zufällig ist er am gleichen tag im potrero regional park angekommen. wir sind die einzigen touristen bei der immigration. die 20 us dollar pro person für das visum müssen wir in einer bank einzahlen. eine stunde stehen wir in der schlange. wir haben nicht bedacht, dass am 1. des monats viele leute geldbezüge am bankschalter tätigen. anschliessend bekommen wir ohne probleme 180 tage aufenthalt in mexiko. die papiere für die temporäre autoeinfuhr können wir erst in la paz am fährterminal bekommen. den grünen abschnitt vom formular i-94w übergeben wir einem us grenzbeamten, der auf der gegenüberliegenden seite sein auto parkt. somit sind wir offiziell aus den usa ausgereist. ausreisestempel gibt es keine. als erstes suchen wir eine pemex-tankstelle. das tanken macht zum ersten mal auf unserer reise richtig spass. 1 liter diesel für umgerechnet chf 0,60. und endlich keinen schwefelarmen diesel mehr mit hohem bio-anteil. einige reisende mit „älteren“ fahrzeugen, deren motoren nicht auf bio-diesel ausgelegt sind, hatten probleme in kanada und den usa. einspritzdüsen verstopft und zerfressene membranen. da hilft nur das zuschütten von additiven, z.b. diesel kleen von walmart.

 

la bufadora – san felipe – punta bufeo

unser erstes ziel ist la bufadora. die ganze strasse durch den ort ist gesäumt von souvenirbuden und imbissständen. die begeisterung hält sich in grenzen. bei flut und hohem wellengang spritzt eine wasserfontäne durch eine felsritze 30 meter in die höhe. die mex 3 richtung san felipe ist sehr schmal und kurvenreich. zum ersten mal in mexiko übernachten wir in der pampa. hätten wir den geschichten geglaubt, die uns in den usa erzählt worden sind, so wären wir spätestens jetzt überfallen und umgebracht worden. das einzige „gefährliche“ ist ein über die strasse rennender puma. es geht so schnell, dass wir von dieser muskulösen raubkatze kein bild schiessen können. in san felipe haben sich anita und mark im kiki’s camping direkt am strand häuslich eingerichtet. es hat auch noch einige kanadier, die seit jahren den winter hier verbringen. jeden nachmittag wird boccia gespielt. wir bleiben eine woche und geniessen fast täglich frischen fisch. 1 kg filetierten heilbutt für 95 pesos (ca. 6 franken). die auswirkungen der finanzkrise 2008 und der schweinegrippe 2009 werden uns auf der fahrt von san felipe richtung süden vor augen geführt. viele zerfallene campings und bauruinen. ein stück nach purtecitos hört der teer ohne vorwarnung auf und es beginnt eine waschbrett-piste von der übleren sorte. am strand von punta bufeo schlagen wir unser nachtlager auf. es ist vollmond und wir sehen vier gestalten mit gewehren im anschlag auf uns zukommen. wir umklammern in der hosentasche unsere pfeffersprays. fritz richtet einen scheinwerfer auf die vier. erleichtertes aufatmen. es sind militärs. sie fragen, ob alles okay sei. am nächsten morgen kommt die patrouille von der marineinfanterie wieder und nimmt unsere personalien auf. für solche fälle halten wir eingeschweisste kopien bereit. jetzt wissen wir auch, dass wir ein „casa móvil“ haben. wir kommen nur noch sehr langsam voran. das ausweichen auf die sandigeren passagen neben dem wellblech bringt kaum erleichterung. wir brauchen länger als geplant und campen vor dem erreichen der mex 1 inmitten von kakteen und dornigen büschen.

 

bahia de los angeles – mission san borja

der ort bahia de los angeles hat auch schon bessere zeiten gesehen. die campings machen einen heruntergekommenen eindruck. nur schon bei deren anblick juckt uns die haut. durch das fernglas erkennen wir, dass am ende der bucht ein landy und ein vw-bus stehen. bis dort sind es 11 km rüttelpiste. punta la gringa ist einfach traumhaft. eine sichelförmige schmale landzunge – ideal zum spazieren und einfach „sein“. die schweizer melanie und werner sind schon zwei jahre mit ihrem landy unterwegs und wollen nun nach südamerika. der amerikaner bruce wohnt im sommer auf seinem boot bei den san juan islands (washington state) und den winter verbringt er in mexiko in seinem westfalia-vw-bus. am nächsten tag schenkt er uns frisch gefangenen fisch, den er bereits fein säuberlich filetiert hat. er empfiehlt uns die playa escondida und agua verde. sehr schöne strände und nicht so überlaufen. nach drei tagen machen wir uns auf zur mission san borja. die piste führt durch atemberaubende kakteenlandschaften (cardón-kakteen, cholla-kakteen, ocotillos, cirio-bäume). die kakteen stehen so dicht, dass wir glauben, wir fahren durch einen kakteenwald. und immer wieder erheben sich grün bewachsene vulkane. wir haben glück, dass wir die mission besichtigen können. diese wird von der dort lebenden familie mit unterstützung des staates renoviert. die jesuiten haben bewässerungskanäle erbaut, die heute noch funktionieren. der obstgarten ist noch zu erkennen. es gibt auch zwei thermalpools. das wasser riecht uns etwas zu penetrant nach schwefel. zu den einwohnern gehören fünf hunde, die gandra als eindringling betrachten. entsprechend ist das gebell und all unsere reifen werden reichlich „markiert“. deshalb bleiben wir nicht auf dem liebevoll eingerichteten camping. wir schlafen weiter weg bei einer verlassenen farm.

 

guerrero negro – san ignacio – bahia concepción

an der grenze von baja california – baja california sur werden unsere reifen für 20 pesos mit einem jämmerlichen strahl desinfiziert. das haben die hunde doch längst erledigt. wir werden noch gefragt, ob wir früchte und gemüse dabei hätten. selbstverständlich verneinen wir das und können weiterfahren. leider sind weder in guerrero negro noch in san ignacio die wale angekommen. so ziehen wir weiter an die karibikähnliche bahia concepción zum badeurlaub. auf einer ruppigen piste über einen buckel erreichen wir die playa escondida. die kleine bucht ist windgeschützt und der strand von weissen muscheln übersät. kaum haben wir den motor abgestellt, werden wir von einem europäer in die von ihm aufgestellten „platzregeln“ eingeweiht. ungefragt erfahren wir auch sofort sämtliche „nachteile“ unseres fahrzeuges - zu gross, zu auffällig,….. er und seine frau haben einen kleinen van. darauf prangt in sehr grossen selbstklebebuchstaben „action mobil“. nur zu dumm, dass wir wissen, wie der originale schriftzug dieser expeditionsmobil-firma aussieht. wir installieren uns und geniessen die sicht auf das meer und die berge. vor uns tauchen ganze schulen von delphinen auf. fritz ist so überwältigt, dass er das fotografieren vergisst. tagsüber haben wir 25 grad und nachts angenehme 15 grad. auch das wasser erreicht hier erstmals badetemperaturen. nach ein paar tagen erkennt horst unseren „man“ von weit her und überrascht uns mit seinem besuch. als er seinen camper parkt, flippt die frau des selbsternannten „campingwartes“ aus. das fahrzeug beraube sie der aussicht. angesichts der angespannten stimmung beschliessen wir, die feiertage gemeinsam mit horst auf einem camping in mulegé zu verbringen. wifi sei dank, können wir mit skype telefonieren und die letzten weihnachtsgrüsse per e-mail versenden. an heiligabend besteht das menu aus pommerschem kartoffelsalat und aus deutschland „importierten“ schinkenwürstchen. als weihnachtsessen gibt es beinahe echt schweizerisches raclette. anschliessend lassen wir uns jeden tag von sandra im campingeigenen restaurant mit einer leckeren fischmahlzeit verwöhnen. wieder auf dem weg nach süden steuern wir den traumstrand el requesón an. die weisse sandbank wirkt im türkisblauen wasser fast kitschig. die palapas (unterstände mit palmenblättern) schützen vor sonne und wind. als zusätzlichen „service“ gibt es noch plumpsklos und abfallkübel. da der strand in privatbesitz ist, sind pro nacht 80 pesos fällig. zu unserer überraschung sind waltraud und jürgen noch dort. die beiden haben wir 2009 in kappadokien (türkei) kennengelernt. jürgen hat sich sozusagen zum 70. geburtstag eine einjährige nordamerikareise zusammen mit seiner frau waltraud und dem treuen iveco-camper „geschenkt“.

am strand von juancalito sanden wir uns zünftig ein. da hilft nur noch wüstenerfahrung. schaufeln und luft ablassen. hier sehen wir wieder einmal, wie eine nahrungskette funktioniert. die fische, die sich von plankton ernähren – die pelikane, die knapp über dem wasser schweben und sich mit ihren grossen schnäbeln einen fisch schnappen – ein abgestürzter pelikan, der von den geiern fein säuberlich abgenagt wird.

 

agua verde

silvester wollen wir an einem sehr einsamen ort verbringen – garantiert ohne feuerwerk. gandra kann die knallerei überhaupt nicht ausstehen. wir verlassen die mex 1 und überqueren auf einer holperigen piste die sierra de la giganta. nach 25 km erblicken wir die ersten kilometerlangen sandstrände. dann geht es steil in serpentinen hinunter ans meer. der erste strand ist übersät von toten tieren. die geier haben bereits gute arbeit geleistet. nach weiteren 10 km erreichen wir die playa san cosme. dieser strand ist sehr schön und im abstand von 5 km stehen nur 2 campingfahrzeuge. zuerst wollen wir aber noch die ortschaft agua verde aufsuchen. dort leben 250 einwohner ziemlich abgeschnitten. das dorf wird als kooperative (ejido) geführt. die gemeinschaft lebt hauptsächlich vom fischfang und etwas landwirtschaft. strom gibt es nur von solarpanels. bei unserer ankunft wurde gerade eine trinkwasserleitung verlegt. also wenn wir jeweils „agua potable“ bei den tankstellen bunkern, so ist das nur brauchwasser. dank unserer filteranlage sind wir davon noch nie krank geworden. wir müssten separat 20-liter-fässer mit „agua purificado“ (trinkwasser) kaufen. doch wohin damit. am strand in der nähe des kleinen fischerhafens (puertocito) werden wir von den kanadiern franziska und ken begrüsst. seit 12 jahren verbringen sie den winter in agua verde am strand. sie finden da ihr kleines paradies und sind von der bevölkerung schon fast adoptiert worden. sie ermuntern uns zu bleiben. die kanadier wollen uns zur silvesterfeier ins dorf entführen. doch wir lehnen dankend ab. von den im hafen ankernden jachten hören wir nur leise musik und wir verbringen den ruhigsten jahreswechsel seit langer zeit.


12.2011
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StepMap 12.2011