01.2014 marokko

Nachdem wir uns von unseren Freunden verabschiedet haben, bleiben wir noch ein paar Tage in den Dünen vom Erg Chebbi. Dann steuern wir die Source Bleue de Meski an. Ein Blick hinunter in den Palmenhain und wir wollen sofort weiterfahren. Der etwas heruntergewirtschaftete Platz ist dann doch idyllischer als ursprünglich gedacht. Unsere Nachbarn Helga und Alphons feiern gerade Hochzeitstag und laden uns zu einem Glas Crément ein. Sie erzählen uns von ihren spannenden Reisen durch Russland und in die Mongolei. Das Fernweh packt uns wieder.

 

Die Fahrt von Agoudal über den Tizi-n-Ouano nach Msemrir hoch über dem Dadès-Tal ist für uns landschaftlich gesehen eine der atemberaubendsten Strecken. Wir staunen, als wir kurz vor der Passhöhe Radfahrer antreffen. Eine Frau und zwei Männer aus Sibirien. Anschliessend wollen die drei noch über den Tizi-n-Tazazert radeln. Das wollen wir aber unserem MAN nicht mehr antun. Es ist eine der letzten Offroad-Strecken in Marokko, die diesen Namen auch wirklich verdient. Die sogenannten Offroad-Führer können gar nicht so schnell aktualisiert werden wie die Pisten ausgebessert und geteert werden.

 

Vor ein paar Jahren noch führte der Weg von Tazzarine nach Zagora über eine üble Piste. Heute düsen wir fast wie auf einer Autobahn dorthin. Auf dem Camping in Zagora treffen wir auf andere Langzeitreisende mit Expeditionsmobilen: Sabine und Michael, Tina und Michael, Sabine und Burkhard.

 

In Tafraoute fahren wir auf den Camping Granite Rose, weil Omar eine funktionierende Waschmaschine haben soll. Kaum angekommen, überredet er uns, dass wir bei ihm die weltbeste Tagine bestellen sollen. Er würde sie uns dann abends in den Camper bringen. Als wir endlich waschen können, verschlechtert sich das Wetter zusehends. Zu allem Übel stellt Omar trotz Einrede von Rosmarie die Waschmaschine auf die geringste Schleuderzahl ein. Soll angeblich die Waschmaschine und die Wäsche schonen. Kaum ist die triefende Wäsche aufgehängt, fängt es an zu schütten. Wir spannen Leinen im Womo und hängen die Wäsche drinnen auf. Da kommt Omar mit der Tagine in unsere "Wohnung" und wird fast von unserer Wäsche erschlagen. Das Essen hat uns trotz dem ungewöhnlichen Ambiente sehr gemundet. Am anderen Tag fängt es auch noch an zu schneien und es wird empfindlich kalt. Als es wieder aufhellt, fahren wir zu den bemalten Felsen. Früher hat man diese nur dank der genauen Beschreibung von Frau Därr gefunden. Es gab sehr idyllische Plätze zum Campen. Heute ist das ganz anders. Eine breite Piste wurde geschoben, damit auch Touristenbusse dorthin fahren können. Nun ist der Platz voller „Gammel-Womos“ und fest in den Händen von französischen Hippies. Der Techno-Sound ist schon von weitem zu hören. Fritz will noch schnell die steile Piste hinunterfahren, die wir früher jeweils mit dem Landy gemeistert haben. Dann nichts wie weg.

 

Vom sehr engen Aït Mansour Tal führt eine neue Teerstrasse nach Izerbi. Die Menschen hier leben aber immer noch sehr ursprünglich. Die Frauen bestellen die Felder mit Eseln und primitiven Werkzeugen. Meistens ist ein älterer Mann als Aufpasser nicht weit entfernt. Immer wieder treffen wir auch auf Höhlennomaden. Der Gegensatz zum Marokko nördlich des Atlas mit all den Einkaufstempeln und Errungenschaften der modernen Zivilisation könnte nicht krasser sein. Die ehemals abenteuerliche Strasse durch die Ighir Schlucht ist schon zweispurig befahrbar und wird demnächst geteert. Jetzt landet der Offraod-Reiseführer von gps-database definitiv im Müll. 

 

Wir spannen noch ein paar Tage an der Plage Blanche aus. Dann fahren wir wieder nordwärts. Ausserhalb von Sidi Ifni werden wir von der Polizei aufgehalten. Wir sind schwerer als 3,5 t und dürfen nicht durch die Ortschaft fahren. 700 Dirham Busse. Der Polizist hat diverse Blocks mit den entsprechenden Vergehen und der Betrag ist schon darauf gedruckt. Das soll wahrscheinlich die Korruption verhindern. Uns wird erklärt, dass alle Fahrzeuge über 3,5 t als Poids Lourds (LKW) gelten. Jedenfalls macht Fritz dem Polizisten ohne zu erröten klar, dass in Europa alle Camper egal wie schwer den PKW’s gleichgestellt seien und er nicht wissen könne, dass das in Marokko nicht der Fall sei. Letztendlich lässt uns der Polizist laufen und ermahnt uns, dass wir uns in Zukunft an die Gewichtslimite von 3,5 t in Marokko halten müssen.

 

In Marrakech ist der Camping inzwischen voller Snowbirds aus Frankreich und der Schweiz. Die Tablets haben sich eindeutig zum Gadget der Betagten entwickelt. So gibt es nervige Mitbürger, die von morgens bis abends in aller Lautstärke mit dem iPad via Skype die Daheimgebliebenen neidisch machen. Unzählige Male: Hei tschou. Weisch won i bi? In Marrakech und loh mir de Gring vo der Sunne lo verbrönne.

 

Bald sind wir wieder im Hafen von Tanger Med. Nachdem unser Fahrzeug geröntgt wurde, fahren wir als Letzte auf die Fähre und sind nach knapp einer Stunde in Algeciras angekommen.


01.2014
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