08.2011 manitoba - saskatchewan - alberta - british columbia

manitoba - saskatchewan

in einer parkzeitschrift lesen wir von einem neuen problem unserer modernen gesellschaft, das speziell kinder betrifft: ndd (nature deficit disorder). diese menschen haben null bezug zur natur. wie sich diese krankheit genau äussert und wie sie therapiert wird, dazu müssten wir zuerst „googeln“. doch wir haben bei uns auch eine neuartige „störung“ entdeckt, nämlich den „waldkoller“. vielleicht wird das einmal als „forest saturation disorder“ erkannt J.

darum sind wir froh, dass wir jetzt das prärieland erreichen. wir durchqueren manitoba und saskatchewan auf dem trans-canada-highway no. 1 in westlicher richtung. flaches land bis zum horizont und über uns der weite himmel mit vorbeiziehenden wolkenfeldern. es gibt viele orte mit deutschen namen wie steinbach, kleefeld, altona oder winkler. da wir keine abstecher machen, landen wir bald in regina. mangels alternativen erleben wir dort unser erstes „walmart-camping“. auf dem riesigen parkplatz stehen schon viele rv’s. manche in der grösse eines reisebusses mit slideouts auf beiden seiten. die zur verfügung stehende wohnfläche entspricht einer durchschnittlichen 2-zimmer-wohnung. pkw im schlepp ist normal.

 

alberta

in alberta erheben sich die kanadischen rockies wie eine steil aufragende felswand aus der flachen prärie. wir fahren zum waterton lakes national parks. auf dem crandell mountain campground fühlen wir uns wie auf dem urnerboden. zum erstem mal kommen heimatliche gefühle auf. diese idylle wird jäh unterbrochen, als auf einem naheliegenden campsite ein mann ausrastet. wir hören nur f…ing dies, f…ing das, witch, kreischende frauenstimmen, wimmernde kinder, kläffende hunde. der mann sieht aus, als hätte er schon mehrere boxkämpfe gewonnen. schnell eispickel, klappspaten und beil ins auto. am nächsten tag erkennen wir, es ist worst case scenario: camping mit ehefrau, schwiegermutter, schwägerin, 3 kleinen kindern und 2 hunden in einer dunklen waldparzelle in einem entlegenen bergtal ohne ablenkungsmöglichkeiten.

kürzlich wurde offenbar im fernsehen ein bericht über reisende mit einem ähnlichen expeditionsmobil wie unser man ausgestrahlt. zum x-ten mal werden wir gefragt, ob wir die vom tv seien. wenn wir nein sagen, sind die leute sehr enttäuscht, dass sie keine echten movie stars getroffen haben. vielleicht sollten wir doch zu einer notlüge greifen.

an der forestry trunk road finden wir sonnige und einsame wiesenplätze zum verweilen. das timing unserer ankunft in banff ist nicht optimal. es ist wochenende und es tummeln sich am lake louise und moraine lake tausende von tagesausflüglern. wir weichen in den wenig besuchten kootenay national park aus. fritz ist glücklich, dass wir in einem abgebrannten waldstück mit viel sonnenschein campen können. überall blüht rosarotes fireweed und wir sehen, wie schnell sich die natur ihren platz zurückerobert. der icefields parkway ist eines der touristischen highlights in den kanadischen rockies. auch wir reihen uns in die womo-kolonne ein und fahren richtung jasper.

 

british columbia

im wells gray provincial park besuchen wir die verschiedenen wasserfälle. leider sind wieder alle campingplätze im tiefen wald. weiter westlich finden wir am green lake bei einem öffentlichen badeplatz einen traumstrand. hier bleiben wir ein paar tage. linker seite machen wir mit einem italo-kanadischen clan bekanntschaft. die grossmutter und die mamma sind den ganzen tag mit kochen beschäftigt und die söhne und enkel sausen mit den booten auf dem see herum. der opa führt die hunde der sippe gassi und macht ein schwätzchen mit uns. auf einem seiner seltenen heimatbesuche machte er auch schon einen abstecher in die schweiz. eines abends kommen 2 „profi-fotografen“ mit 2 girls an den strand und machen akt-aufnahmen. unsere italos sind kaum noch zu halten. auf der anderen seite wohnen john und seine frau in einem wunderschönen blockhaus. sie sind nach der pensionierung von vancouver hierher gezogen und leben von gelegenheitsarbeiten. obwohl sie uns kaum kennen, bieten sie uns an, ihre kanus zu benützen.

auf der autobahn richtung vancouver fährt eine polizeistreife die längste zeit hinter uns her und dann auf gleicher höhe. plötzlich lässt sich der polizist wieder zurückfallen und die lichter gehen an. also sofort rechts auf dem pannenstreifen anhalten. die hände aufs lenkrad und sich nicht mehr bewegen. der officer will den führerausweis, fahrzeugausweis, die pässe und vor allem den versicherungsnachweis sehen. alles ist „awesome“. er will wissen, wie wir das fahrzeug hierher gebracht haben. aha, halifax. dann verschwindet er in seinem wagen. nach langer zeit kommt er wieder. also, da stimmt etwas nicht. ihr bringt das fahrzeug nach halifax und die immigration macht ihr in toronto. wir erklären ihm, dass es von zürich aus keine direkten flüge nach halifax gibt und wir in toronto umsteigen mussten. endlich macht es bei ihm „click“ und wir dürfen fahren.

die stadt vancouver kennen wir von einer früheren reise und fahren darum gleich zum fährterminal. ein einheimischer erklärt uns, vancouver island ist das kalifornien des nordens. auf vancouver island ist der rhythmus noch gemächlicher als auf dem festland. es ist das paradies für fischer und jäger. für private ist es erlaubt, auf eigenes risiko die logging roads zu befahren. viele holzergesellschaften betreiben auch recreation sites. meist sind dies richtige fischercamps. die leute können jeweils kaum begreifen, dass wir hier sind und nicht fischen. wir fahren zum pacific rim nationalpark. die long beach ist traumhaft. camping ist leider nicht erlaubt. der einzige campingplatz im national park ist bis ende september ausgebucht. in tofino fragen wir auf einem kommerziellen camping nach. für den einzig noch freien „schrottplatz“ wollen sie cad 54 + tax, duschen extra, kein internet. wir machen rechtsumkehrt und fahren nach ucluelet. hier ist der wild pacific trail eine wucht. er führt durch regenwald und den rauen klippen entlang. auf einer karte sind die vor der küste liegenden schiffswracks eingezeichnet. wir „parken“ unauffällig beim sportplatz. abends kommen hauptsächlich junge frauen zum walking auf die finnenbahn - zur freude von fritz.

in port renfrew darf beim ehemaligen hippie strand nicht mehr unorganisiert gecampt werden. die first nations haben hier einen camping errichtet. der ort und die lage sind einfach traumhaft und unschlagbar. das lange labour day wochenende naht und es findet das fishing derby statt. darum hat es nur noch einen platz direkt am strand für 2 nächte. wir richten uns gemütlich ein. da kommt einer und fragt, ob das ein café sei. rosmarie ist so sprachlos, dass sie ihm keinen kaffee anbietet und geld dafür kassiert. gegen abend fragt noch einer allen ernstes, ob unser truck die neuen public washrooms seien. es gibt ja sonst nur pit toilets. alle camper sammeln treibholz wie verrückt und machen lagerfeuer bis spät in die nacht hinein. als am nächsten tag fast alles tragbare holz eingesammelt worden ist, kommt endlich die stihl-motorsäge von fritz zum einsatz. er rüstet soviel holz, dass wir mehrere tage feuern könnten. er bietet unseren nachbarn holz an. der eine will sich mit übel riechendem gewächs zum rauchen revanchieren. zum glück sind wir nichtraucher und den süsslichen duft können wir nicht ausstehen. der andere nachbar offeriert uns frisch gefangenen lachs. dem campingwart tut es richtig leid, dass wir nicht bleiben können. auf einer karte zeichnet er orte ein, wo wir frei campen könnten. aber wo befinden sich diese seiner meinung nach sehr schönen plätze? richtig – im wald.

 

rentner, die statt ins altersheim durch die lande ziehen

in kenora stehen wir im norman park direkt am ufer des lake of the woods. ein betagtes ehepaar um die 85 jahre alt mit pickup und trailer richtet sich auf dem angrenzenden lions club gelände ein. die beiden freuen sich sehr, dass sie europäer treffen. sie sind 1952 von holland nach ontario ausgewandert. beide sind nach wie vor passionierte traveller und meinen, sie würden jetzt „nur“ noch 200 km pro tag fahren. ihnen käme nie im traum in den sinn, geld für einen camping auszugeben. sie verraten uns ihre „geheimtipps“: stadtparks, clubgelände, schulhaus-/sportplätze, kirchengelände, arenas, (jahr)marktplätze, bootseinwasserungsstellen, marinas, walmart etc. nach sonnenuntergang gehen wir müde ins bett. unsere nachbarn werfen den generator an und schauen bis programmende in die flimmerkiste.

im kootenay national park ist henning camp host auf dem marble canyon campground. in den 50er jahren ist er von münchen als bergführer in die kanadischen rockies ausgewandert. er spricht lieber englisch mit uns. er meint, die vielen schweizer bergführer kollegen hätte er nie verstanden. viele rentner leisten als volunteers freiwilligenarbeit. sie können sich zum beispiel als gastgeber auf nationalpark-campings bewerben. alle 2 wochen wechseln sie den platz. henning macht uns vorschläge für wanderungen. in kanada fragt man nicht, wie weit wollt ihr wandern sondern wie lange. auch die distanzen für autofahrten werden meistens in zeit angegeben. als wir einmal in einem visitor center nach dem strassenzustand fragen, bekommen wir als antwort: oh, it’s only a 5 hour drive. die standard-antwort für die länge eines wanderweges ist „half an hour walk“, egal ob 1 oder 8 km.

beim pacific rim np visitor center auf vancouver island lernen wir das schweizer ehepaar ingrid und max kennen. die zwei haben 1997 in den usa für usd 25‘000 ein gebrauchtes wohnmobil gekauft und touren seither durch die usa, canada und mexico. sie machen einen total fitten und zufriedenen eindruck. als sie uns verraten, dass sie schon 70 sind, können wir das kaum glauben.


08.2011
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