colorado plateau  10.2011

moab – das off-road-paradies

nach dem besuch der nationalparks yellowstone und grand teton erreichen wir via fleming gorge die strasse 128, die dem grünen colorado river und an roten felsen entlangführt. im lower onion creek landing zeltplatz campen wir direkt am colorado river in idyllischer umgebung mit blick auf die markanten fisher towers. wir haben noch keine detaillierten landkarten von dieser umgebung. doch fritz reizt die off-road strecke gegenüber dem camping. wir überqueren den onion creek mehrmals und kurven immer weiter in die höhe. wir treffen auf eine tschechische familie, die schon seit 25 jahren in moab lebt. sie erklären uns den weg nach moab und wir folgen ihnen ein stück weit. doch plötzlich halten sie an, nehmen ihre knarren aus dem auto und machen zielübungen auf die felsen. schnell verabschieden wir uns, denn wir wollen nicht von einem „querschläger“ getroffen werden. an einer kreuzung wissen wir nicht, ob wir besser links oder rechts abbiegen sollen. denn beide wege führen angeblich nach moab. das navi hilft uns auch nicht weiter. „jane“ sagt immer: fahren sie von der unbefestigten strasse auf die unbefestigte strasse. davon gibt es unzählige. dann kommt randy mit seinen zwei töchtern angefahren. er sagt, wir wären im nahegelegenen „järgercamp“ beim hidden lake sehr willkommen. sein freund spreche perfekt deutsch. cory war 2 jahre in stuttgart und spricht akzentfrei hochdeutsch und echt schwäbisch. um 6 uhr morgens gehen die jäger in tarnanzügen mit ihren 4-wheelern auf die pirsch. es sind auch passionierte jägerinnen dabei. eine davon ist hochschwanger und ausgerechnet sie erlegt einen hirsch. nach zwei tagen wollen wir nach moab. vor castle valley halten wir an einer steilen felskante an. wir können einen teil der abenteuerlichen kokopelli road sehen, die wir gefahren sind. plötzlich kommt ein betagter mann mit einer riesigen familie im schlepptau an. ganz nervös fragt er uns, ob wir die dinosaur tracks schon gefunden hätten. wir wussten gar nicht, dass es hier welche gibt. fritz schaut herum und entdeckt plötzlich viele der drei-zehigen abdrücke im schwarzen gestein.

in moab decken wir uns erst einmal mit kartenmaterial ein. fritz möchte gerne einen „side by side“ mieten (eine art hochmotorisiertes 4wd golfwägeli). doch usd 350 für einen tag schrecken uns ab. dann doch lieber mit unserem man auf die off-road-strecken. die potash road und der serpentinenreiche shafer trail führen abenteuerlich durch die „hintertür“ in den canyonlands nationalpark. rosmarie hört mit einem ohr dem vortrag eines park rangers zu. er erzählt, dass die white rim road eine ehemalige prospektionspiste sei. früher suchte man hier nach uran. doch die ausbeute war zu gering. genau das richtige für unseren man. es ist schon 14 uhr, als wir im visitor center nach einem permit fragen. wir haben glück und können 3 zeltplätze buchen. die wetteraussichten sind nicht so rosig und deshalb gab es annullierungen. die junge, quirlige rangerin fragt nach dem fahrzeug. nein, camper lassen wir nicht durch. rosmarie wehrt sich und beschreibt das fahrzeug als eine art unimog. wow, unimog. ja, unimog, das geht. wir erhalten das permit für usd 30. anschliessend wird rosmarie als „team leaderin“ belehrt, was im „hinterland“ nicht erlaubt ist und das ist sehr, sehr viel. sie muss unterschreiben, dass sie alles verstanden hat und auch dafür verantwortlich ist, dass die regeln von der ganzen gruppe eingehalten werden. wir fahren los und machen beim aussichtspunkt auf den gooseneck mäander des colorado rivers eine lange pause. denn zum ersten camp ist es nicht mehr weit. da pedalt ein radfahrer auf uns zu. er sagt uns, dass wir das mit diesem fahrzeug vergessen könnten und zeigt uns auf der karte die kritische stelle fast am ende des 100 meilen langen rundkurses. lange schaut er auf unser fahrzeug und sagt, wenn ihr glück habt, dann schrammt ihr bei den überhängenden felsen nur die astabweiser. ein ausweichen gibt es nicht, denn die strasse ist schmal und weit unten der fluss. wir hoffen, dass er sich zu unseren gunsten geirrt hat. plötzlich setzt starker regen ein und wir kommen in der dunkelheit beim camp an. wir haben mühe, unseren platz „airport c“ zu finden. was wir nicht wussten, die einzelnen campsites sind mehrere hundert meter voneinander entfernt. mit 20 %iger steigung geht es am zweiten tag hinauf auf murphy’s hogback. die strasse ist nicht nur für den fahrer eine herausforderung – auch der beifahrer braucht starke nerven. in dieser nacht regnet es wieder in strömen. dank sehr starkem wind und sonnenschein trocknet die strasse am morgen relativ schnell ab und wir können um 10 uhr losfahren. die ausblicke auf die vielen roten tafelberge, die mäander des green rivers und die unzähligen canyons sind unvergesslich. beim dritten camp sind wir alleine und haben die schlüsselstelle schon fast vergessen. guten mutes stehen wir auf, denn es ist nicht mehr weit. doch nach wenigen hundert metern muss fritz millimeter-arbeit leisten. er geht so nahe an den abgrund wie möglich und wie prophezeit, bekommt der astabweiser ein paar kratzer ab. das wäre geschafft – dann kommt der nächste hammer. in der nacht hat ein ca. 8 t schwerer stein die strasse zerstört und ein ca. 4 t - stein liegt mitten auf der dirt road. wir überlegen, wie wir uns aus dieser situation retten können. fritz hat schon die bergegurten ausgepackt, als von der gegenrichtung zwei radfahrer und ihr begleitfahrzeug angebraust kommen. es sind 3 junge uni-professoren für electrical and computer engineering. sie berechnen genau, wie sie die bergegurte fixieren müssen, damit der stein von der strasse weggeschoben wird. doch der felsbrocken will nicht so richtig. vielleicht wäre physik doch das bessere fach gewesen. dann kommt fritz mit dem dynamischen bergeseil und legt dieses um einen am ufer stehenden busch. dank dieses starken gewächses rutscht der stein endlich in die gewünschte richtung. nach 2 stunden harter arbeit können wir die fahrt fortsetzen.

 

zurück in moab lernen wir rita und rudi kennen. wir haben ihre webseite www.menrad-international.com schon lange verfolgt. sie fahren auch ein langer & bock – expeditionsmobil und sind schon mehrere jahre auf weltreise. bei einem glas exzellenten weines dürfen wir den gediegenen innenausbau bewundern. nach einem ausflug zum chicken corner erreichen wir den arches nationalpark durch die willow flats – eine felsige piste mit ansehnlichen absätzen. dort treffen wir rita und rudi wieder. wir haben das glück, dass beide teams dank absagen einen der begehrten campingplätze kriegen. nach einer abenteuerlichen wanderung im devils garden geniessen wir mit den menrad’s die umwerfende szenerie und die entspannende atmosphäre am lagerfeuer.

 

natural bridges – capitol reef - bryce canyon – zion

die „inkontinenz“ unseres man’s wird immer schlimmer. in moab und umgebung gibt es keine lkw-garagen. so gibt es schon wieder eine „wegänderung“ und wir fahren richtung las vegas. natural bridges national monument und capitol reef national park hauen uns nicht so aus den socken. zu viele atemberaubende felsformationen haben wir schon gesehen. die offroad-strecken in dieser region lassen wir schweren herzens weg, denn zum leck kommen jetzt noch überhitzungsprobleme dazu. den bryce canyon möchten wir diesmal bei sonnenaufgang erleben und wir schlagen uns im dixie national forest in die büsche. im morgengrauen warten wir beim bryce point dick eingehüllt auf die aufgehende sonne. ein unglaubliches farbenspiel der vielen kleinen felstürmchen eröffnet sich da vor unseren augen. wieder beim truck fragt uns einer, ob wir vom park service seien. logisch sind wir beleidigt, denn das heisst, wir sind für die müllabfuhr und das putzen der toiletten zuständig.

für die durchfahrt durch den zion national park wollen sie für rv’s ab 2,40 m breite und 3,40 m höhe usd 15 kassieren. rosmarie erklärt der rangerin, dass unser truck nur 2,3 m breit und 3,35 m hoch sei und dass ihr mann aus den schweizer bergen den truck wirklich beherrsche. die „sauerampfer“ wird immer „ranziger“. wegen euch muss der tunnel extra gesperrt werden. die breite gilt inklusive spiegel. die schlange hinter uns wird immer länger. no way – wir müssen zahlen oder umkehren. der witz der ganzen sache, der tunnel wird so oder so immer nur abwechslungsweise in einer richtung einspurig befahren.

 

man-reparatur in st. george / utah

von der interstate 15 aus entdecken wir in st. george eine peterbilt-lkw-garage. die ursache des lecks ist schnell gefunden. es ist die dieselförderpumpe, die den geist aufgegeben hat. steve erklärt uns, dass dies auch bei den amerikanischen trucks die schwachstelle sei. er empfiehlt uns eine elektrische pumpe (after work electrical pre-pump). nun muss der service manager für uns eine 24 volt – pumpe organisieren, denn hier sind nur 12 v üblich. wir campen 3 nächte vor der garage. steve hat dafür wenig verständnis und will uns partout in ein motel verfrachten. er hat angst vor allfälligen klagen, falls uns auf dem gelände etwas zustösst.

 

grand canyon north rim

nach einer weiteren nacht auf dem walmart parkplatz in st. george mit echt starkem wifi vom „the home depot“ fahren wir ein kurzes stück zurück und besuchen den grand canyon north rim. im kaibab national forest fallen in der nacht die temperaturen unter den gefrierpunkt. wir sind ja auch auf fast 2‘800 m.ü.m. hier treffen wir den schweizer bernhard aus benken sg. er hat einen grasgrünen renn-porsche carrera jg. 1970 in den usa erstanden. seit 5 monaten düst er damit durch die staaten und legt sich in der nacht mit seinem schlafsack irgendwo hin. brrr… bei diesen temperaturen. in mexico lässt er später das fahrzeug gegen rost behandeln und will es dann in der schweiz verkaufen. 8‘000 fotos habe er schon geschossen und niemand wolle sie sehen.

 

page / arizona

in page sind wir erstaunt, wie weit der wasserspiegel des lake powells gesunken ist. die bootsrampen müssen dauernd verlängert werden. nach dem besuch der antelope canyons treffen wir die würzburger lotte und karle wieder. unsere „man’s“ waren auf dem gleichen schiff von hamburg nach halifax. wir bestaunen die garage ihres fahrzeuges. denn dort führen sie normalerweise einen mini cooper mit. die beiden sind sehr reiseerfahren. karl und lotte haben die sahara mit jeeps durchquert, als wir beide noch in die windeln machten. lotte, eine richtige leseratte, demonstriert uns ihren e-reader von sony. dieser ist blendfrei, hat ein kleines lämpchen und in jeder handtasche platz. 2000 bücher hat sie auf einem chip geladen. wieso sind wir nicht auf die idee gekommen, die reiseführer online als e-books zu kaufen. wir hätten glatt einen schrank mehr zur verfügung.

zweimal nehmen wir an der lotterie für die „wave“ teil. für den besuch dieser einmaligen felsformationen werden täglich nur 20 personen zugelassen. 10 permits werden über das internet verlost und 10 täglich in der paria contact station. wir haben kein glück. hat man ein permit, darf man so viele hunde mitnehmen, wie man will. pro hund ist eine gebühr von usd 7 fällig. das überrascht uns, denn in den nationalparks sind hunde auf den trails nicht erlaubt.

 

man stelle sich das einmal in europa vor

im walmart machen wir grosseinkauf. zu den lebensmitteln legen wir noch ein paar dosen bier für die abendlichen lagerfeuer auf das förderband. die kassierin sagt: ich darf euch keinen alkohol verkaufen. wir denken, die will uns auf den arm nehmen. wieso hat es denn bier im kühlregal? sie merkt, dass wir sie konsterniert anschauen. wir sollen das bier am schluss hinlegen. es würde jemand anders kommen. wie bitte? sie erklärt, sie sei erst 19 und man dürfe erst ab 21 alkohol verkaufen. es kommt der sales manager. er steckt seinen schlüssel in die registrierkasse, scannt die bierdosen und kassiert den gesamtbetrag. in zukunft muss sich fritz entscheiden, bier oder junge, hübsche dame an der kasse.

im city market in moab stürzt sich rosmarie auf das degustationsbuffet. dabei heisst es immer, man solle nie hungrig einkaufen gehen. eine ca. 80-85 jährige dame bietet bacon und choco-drink zum probieren an. sie macht ihren job mit hingabe und erzählt stolz, dass sie schon urgrossmutter sei. man stelle sich das einmal in europa vor: eine erwerbstätige ur-oma - da, wo man im berufsleben schon mit 50 zum alten eisen gehört.

in st. george gehen wir mit gandra auf wanderschaft. in den quartieren sehen wir bei einigen häusern schilder mit „foreclosure“. der ehemalige besitzer hat einfach die immobilie geräumt und die hypothek gekündigt, indem er die hausschlüssel an die bank zurückgeschickt hat. in den usa haftet man nicht mit dem privatvermögen für eine hypothek. praktisch, wenn das haus zu 100 % belehnt war und jetzt nur noch die hälfte wert ist. doch die nachwirkungen der finanzkrise werden uns jeweils bei den walmart-campings vor augen geführt. unglaublich, wieviele leute hier in ihren autos hausen. der pkw ist das letzte, was ihnen geblieben ist. bei einigen walmart-parkplätzen sehen wir schilder: no overnight parking by city law. der walmart ist aber 7 tage 24 stunden geöffnet. wir fragen uns, wie die stadt das durchsetzen will.


10.2011
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