01.2012 baja california sur

agua verde

als wir am neujahrsmorgen erwachen, liegen wir merkwürdig schräg im bett. wir haben doch nicht so viel getrunken. platter reifen hinten links. unglaublich, die ursache ist ein kaktus-stachel.

die kanadier ken und franziska erklären uns, wo wir uralte felszeichnungen finden können. sie erzählen uns auch, dass die kommune von agua verde sich gegen ein tourismus-projekt gewehrt hat und den sehr schönen strandabschnitt san cosme nicht an eine investment-gesellschaft verkaufen wollte.

 

auf der suche nach den walen

jedes jahr legen die grauwale den 16‘000 km langen weg von der beringsee (zwischen russland und alaska) zur baja california zurück, um sich in den lagunen zu paaren oder zu kalben. eigentlich wissen wir, dass es für walbeobachtungen anfangs januar noch zu früh ist. wir fahren trotzdem nach lópez mateos. hier erklären uns die touranbieter, dass sie noch keine bewilligung für walbeobachtungstouren in den lagunen bekommen hätten. einzelne wale sind schon da und wir sehen weit draussen ein paar kurz auftauchen.

in san carlos hält uns crispin auf und bietet uns eine als „fischerausflug“ getarnte waltour an. die bootsführer rechnen pro stunde ab. für nur zwei personen ist uns das zu teuer. wir sind müde und können auf die schnelle keine anderen touristen fragen. vielleicht „mañana“ für einen fixpreis von 2 stunden mit „walgarantie“. in der nähe des fischerhafens finden wir einen schönen übernachtungsplatz. am morgen kommt crispin und fragt, ob wir schon bereit seien. der „perrito“ (gandra) könne selbstverständlich auch mitkommen. bald sitzen wir im boot und rauschen mit 90 ps richtung punta entrada zwischen isla magdalena und isla santa margarita. unterwegs treffen wir auf scallop-taucher. crispin schwatzt ihnen einige der kammmuscheln ab. er serviert sie uns mit salsa habanero und limonensaft. schmeckt ausgezeichnet. wir sind schon eine stunde unterwegs und haben immer noch keine wale zu gesicht bekommen. um uns bei laune zu halten, offeriert uns crispin frische muscheln mit limonensaft. gekonnt öffnet er sie mit einem messer. wir verziehen etwas den mund und überwinden uns, die muscheln auszuchlürfen. überraschenderweise ein genuss. immer wieder muss crispin fischer fragen, wo sich die wale aufhalten. wir sind schon fast auf dem offenen meer, als wir die ersten grauwale sichten. beeindruckend, wie diese tonnenschweren tiere kurz auftauchen und dann für ca. sieben minuten wieder untertauchen. der ganze ausflug hat fünf stunden gedauert. bevor wir am nächsten tag losfahren, schaut crispin noch kurz vorbei und schenkt uns zum abschied fangfrische camarones (riesencrevetten).

 

los barriles – los cabos

nach ein paar tagen in la paz und an der playa el tecolote machen wir uns auf nach los barriles. dort findet gerade der internationale windsurfing- und kiteboarding -wettbewerb „lord of the wind“ statt. wir staunen, wie gekonnt die wettbewerbsteilnehmer/-innen mit ihren kites surfen und meterhohe luftsprünge wagen. der lange und breite, weisse sandstrand ist wunderschön zum laufen und einfach faulenzen. südlich von los barriles an der ostküste entlang ist fast alles eingezäunt und überall hängen tafeln von irgendwelchen finanz-gesellschaften. lauter bauruinen und anzeigen mit „se vende“. das resultat der boomjahre und der anschliessenden finanzkrise ist kein schöner anblick. das naturschutzgebiet cabo pulmo mit dem vorgelagerten korallenriff ist zum glück von diesem irrsinn verschont geblieben. los frailes hat einen idyllischen strand. die unzähligen nordamerikanischen dauercamper im ausgetrockneten flussbett, der müll und die klopapierfahnen an den bäumen lassen uns weiterziehen. bei pos. n 23°17.014 /.w 109°26.080 finden wir einen einsamen, nicht eingezäunten strandabschnitt mit palapas. wir sind ganz alleine und unternehmen lange strandspaziergänge. es gibt genug trockenes holz, um abends ein lagerfeuer zu entfachen. wieder an unendlichen zäunen entlang erreichen wir san josé del cabo. am ortseingang hören wir pötzlich einen knall und dann ein lautes zischen. fritz befürchtet, dass ein luftschlauch geplatzt ist. schnell in eine seitenstrasse und anhalten. der 3. plattfuss auf unserer reise. aufpumpen hilft nichts. der übeltäter ist eine dicke schraube mit einem verkrümmten metallteil - wahrscheinlich von einem vorausfahrenden auto. wie ein engel kommt isidro gefahren. er ruft eine llantera móvil (mobile reifenreparaturwerkstatt). da kommt nach 15 minuten auch tatsächlich einer mit einem kleinen laster angefahren. der riss im schlauch ist ca. 3 cm lang. gekonnt wird der schlauch mit zwei flicken repariert und der reifen wieder montiert. das ganze hat nicht einmal 20 franken gekostet. isidro schaut noch einmal vorbei, ob alles geklappt hat. er hat ein kleines transportunternehmen und muss die hilfe der llantera oft in anspruch nehmen. er meint, wir sollten uns die telefonnummer zur sicherheit notieren.

zwischen cabo san josé und cabo san lucas gibt es unzählige hotels , blocks mit eigentumswohnungen, villen, golfplätze und feine restaurants. in beiden „cabos“ sind viele amerikanische fastfoodketten und kaufhäuser vertreten. wir bleiben nicht lange.

zurück in la paz überlegen wir uns, ob wir jetzt auf das festland übersetzen sollen. eigentlich schade, denn es gäbe noch so viele backroads auf der baja abseits der ausgetretenen touristenpfade zu befahren.

 

mission san luis gonzaga

von la paz aus führt die teerstrasse an der sea of cortez entlang bis san juan de la costa. es ist ein hübscher und gepflegter ort, wo die mineros wohnen. plötzlich stehen wir vor dem eingang zur phosphat-mine. denn hier endet der teer. der wärter fragt uns nach unserem ziel. wir erklären ihm, dass wir via san evaristo zur mission san luis gonzaga möchten. ungläubig schüttelt er den kopf. es gibt doch eine gute teerstrasse aussen herum. wieso wählt ihr freiwillig eine solch üble piste? sein kollege kommt dazu und ist der gleichen meinung. immerhin bestätigt er uns, dass die strecke befahrbar sei. wir müssen zurück zum ortseingang. dort haben wir den abzweig auf die piste verpasst. wenn es schilder hat, dann sind sie meist nicht mehr lesbar oder liegen auf dem boden. 

wir passieren vereinzelte fischersiedlungen. die leute wohnen meist in hütten mit dächern aus palmwedeln. die seitenwände bestehen aus planen oder wellblech. der einzige luxus sind solarpanels und grosse fässer mit trinkwasser. sind fahrbare untersätze vorhanden, dann sehen diese aus wie halb ausgeschlachtete vehikel und es grenzt an ein wunder, dass sie sich überhaupt noch fortbewegen lassen. die menschen begegnen uns sehr zurückhaltend und freundlich. die landschaft mit dem rosa-grün-grau-farbenen gebirge, den kakteen und dem tiefblauen meer wirken auf uns wie von einem anderen planeten. zwei km vor san evaristo zweigt die piste richtung westen ab in die berge. wir durchfahren buntfarbene canyons und müssen immer wieder bergkämme überwinden. manchmal ist die piste so steil, dass wir die passage nur im 1. gang mit untersetzung und 4wd schaffen. hier und da tauchen palmenoasen mit bebauten feldern und ein paar hütten auf. die kühe und die ziegen laufen meist frei herum. eine ansiedlung mit einem mini-schulhaus heisst „la soledad“ (die einsamkeit) – ein treffender ausdruck. wir übernachten auf einem platz mit blick auf ein labyrinth von schluchten. langsam geht es wieder abwärts und dann fahren wir lange auf einer wüstenartigen hochebene. die piste ist vor nicht allzu langer zeit geschoben worden und wir kommen nun etwas schneller voran. die gehöfte werden grösser und zahlreicher. von den dorfgemeinschaften sind in fronarbeit ein paar kleinere staudämme gebaut worden, um das wasser zurückzuhalten, das in der regenzeit fällt. an einigen orten brummen wasserpumpen, um die maisfelder zu bewässern. die missionskirche san luis gonzaga steht mitten im dorf und wird immer noch benützt. die fassade und das innere der kirche sind weiss gekalkt. aussen sind die bruchsteine sichtbar. die restlichen gebäude der einstigen mission und eines ehemaligen herrenhauses sind am zerfallen. von san luis gonzaga aus rattern wir auf der kerzengeraden wellblech-piste auf die mex 1 zu. es ist nicht mehr weit zur nächsten grösseren stadt ciudad constitución. der gegensatz zwischen den touristenhochburgen und den ländlichen gegenden könnte nicht grösser sein.


01.2012
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StepMap 01.2012