03.2012 südwesten der usa

tucson, die stadt der saguaros und snowbirds

unser plan für den monat märz ist ein loop durch arizona, new mexico und texas. die temperaturen sind um diese zeit im südwesten tagsüber sehr angenehm und nachts ist es immer noch kühl. via organ pipe cactus national monument erreichen wir die stadt tucson. sie liegt mitten in der sonora wüste und unzählige saguaro kakteen prägen das stadtbild. auf dem camping im tucson mountain park sind wir einmal mehr von unzähligen kakteen umgeben. das schönste ist, dass einige blühen oder früchte tragen. hier lernen wir die deutsch-kanadier inge und roland kennen. sie sind bald 80 und geniessen seit jahren das leben als snowbirds. im sommer wohnen sie in ihrem haus in victoria auf vancouver island. den winter verbringen sie im motorhome in arizona. roland ist 1957 nach vancouver island ausgewandert. er hatte damals nur fotos von seinen arbeiten in der tasche und fand innerhalb von drei tagen eine arbeit. inge hätte ihm in der abendschule für englisch die augen verdreht. nach der heirat machten sie sich beruflich selbständig. die kinder hätten sich leider immer geweigert, deutsch zu sprechen. sie wollten von den anderen kindern nicht als „sauerkraut“ beschimpft werden. ausser den beiden saguaro nationalparks gibt es in tucson auch noch viele interessante museen, u.a. das arizona-sonora desert museum. wir besuchen das pima air & space museum. zu sehen gibt es 300 ausrangierte, vorwiegend militärische flugzeuge. bei soviel zerstörungspotential läuft es uns kalt über den rücken. 5000 eingemottete flugzeuge stehen bei der nahegelegenen air base – zum teil sind sie ausgeschlachtet oder warten auf den verkauf.

langsam entdecken auch wir das praktische campen bei den casinos. man steht umsonst auf den parkflächen und kann sich an den riesigen buffets erfreuen. beim casino del sol in tucson spricht uns manfred aus deutschland an. er und seine frau sind auch snowbirds. den winter verbringen sie im reisemobil in den usa. über den sommer weilen sie im anderen womo in deutschland. von ihnen erfahren wir, dass wir auch das casino-schwimmbad hätten benützen dürfen.

 

im wilden westen

in tombstone fühlen wir uns in den wilden westen versetzt. die allen street ist gesäumt mit saloons und shops. die meisten häuser sind 1881 erbaut worden. die silbervorkommen zogen damals auch viele zwielichtige gestalten an. streitereien wurden mit dem colt geregelt. täglich wird die mehrfach verfilmte schiesserei am ok corral mit schauspielern nachgestellt. um tombstone ein authentisches bild zu verleihen, laufen „schauspieler“ im wildwest-look durch die strassen. mit kutschen aus der damaligen zeit lassen sich viele touristen durch den ort fahren.

ein weiteres bergbaustädtchen ist bisbee. heute wohnen dort künstler und aussteiger. die holzhäuser mit veranden im tombstone canyon wurden liebevoll restauriert und erstrahlen in bunten farben. ausserhalb des ortes schauen wir in ein enormes loch, den lavender pit. ein ganzer berg wurde wegen kupfervorkommen abgetragen. das überbleibsel vom tagebau ist alles andere als schön.

im chiricahua national monument existieren unzählige eingenartige felstürmchen. viele trails führen durch fantasieanregende formationen. in der parkzeitung lesen wir, dass auf drei trails hunde erlaubt sind. als wir dort ankommen, prangen täfelchen mit hundeverbot. wir sprechen einen parkranger an. er gibt uns die erlaubnis, mit gandra dort zu wandern. die parkzeitung sei veraltet und solange diese nicht ersetzt werde, könnten sie keine bussen aussprechen. leider sind hunde auf allen trails in den us-nationalparks verboten. kein wunder, denn 90 % der leute lassen den hundekot liegen. uns hat sogar einer erzählt, er hätte seinen hund abgeschafft, weil jetzt kotaufnahmepflicht bestehe.

 

bei den höhlenbewohnern

das gila cliff dwellings national monument liegt sehr abgelegen. es ist nur mit volunteers (freiwilligen) besetzt. wir sagen voller bewunderung, dass die arbeit der vielen volunteers „impressive“ sei. wir erhalten als antwort, dass das eher „depressive“ wäre. ohne volunteers würden viele der wenig besuchten parks und monumente von der regierung aus spargründen geschlossen. die felswohnungen der mogollon-indianer sind auf einem rundgang durch den dicht bewachsenen canyon gut erreichbar. auf dem weg dorthin entdecken wir wilde trauben, beeren, eicheln, pynion nüsse, prickly pear kaktus und viele hasen. wasser aus den umliegenden bergen ist immer noch im überfluss vorhanden. im südwesten der usa nicht selbstverständlich. der gila fluss ist einer der letzten freifliessenden flüsse im westen. wir lernen auch, wie nützlich die yucca-pflanze für die höhlenbewohner war. junge sprossen und früchte dienten als nahrung. wurzeln wurden als seife und die blattspitzen als nadeln verwendet. die faserigen blätter wurden als pinsel genutzt oder geklopft und die fasern dann zu schnüren gedreht. daraus entstanden matten und sandalen.

im city of rocks state park campen wir inmitten von vulkankegeln. rundherum nur prärie soweit das auge reicht. es ist vollmond und wir fühlen uns wie auf einem fernen planeten.

 

traurige nachricht

auf dem weg zum big bend nationalpark erfahren wir, dass es rosmarie’s vater plötzlich sehr schlecht gehe. er wird bald 90 jahre alt und war bis anhin noch einigermassen „zwäg“. wir recherchieren wegen einem flug in die heimat. wir merken sofort, dass auf die schnelle die besten und günstigsten verbindungen von las vegas aus führen.

dann die grosse überraschung. der angeblich wenig besuchte big bend ist total überfüllt. die rangerin informiert uns, dass hier das ganze jahr tote hose herrsche ausser bei spring break (frühlingsferien). dann schwärmen die studenten und familien mit kindern in den süden aus. nicht einmal backcountry permits sind noch erhältlich. im erlaubten abstand vom park haben schon viele junge leute ihre zelte aufgestellt. ein junger ranger sagt uns, dass alle leute in die nationalparks wollten, weil diese bekannt seien. der benachbarte big bend ranch state park sei eben so schön. doch von dort kommen wir und wollen nicht mehr zurück. auf malerischer strecke sind wir dem rio grande entlang gefahren.

wir sind unruhig und fahren wieder nordwärts. dann erreicht uns die nachricht, dass rosmarie’s vater gestorben sei. in van horn gehen wir wegen dem internet auf einen camping. dann heisst es auf nach las vegas für den abflug von rosmarie.

 

auch das noch

wir wechseln uns am steuer ab, damit wir möglichst viele kilometer vernichten können. wir erreichen den stadtrand von tucson. plötzlich leuchtet die stop-lampe rot auf. keine luft mehr in den druckluftkesseln. wir können gerade noch die interstate verlassen und bei einem brachliegenden industrieareal unser fahrzeug abstellen. weiterfahren unmöglich – die feststellbremse lässt sich nicht lösen. super – wir müssen das führerhaus kippen. kompressor ist noch i.o. und die leitungen dicht. kevin kommt gerade von der arbeit und fragt, ob er uns helfen könne. er sagt, er gehe mal schnell nach hause und hole ein telefonbuch. er wohne gerade um die ecke. um die ecke heisst hier, es sind nur 10 km. doch nach 20 minuten steht er mit dem telefonbuch da und ruft den truck stop an, bei dem er immer seine zigaretten kauft. die geben ihm die telefonnummer von cornwell’s truck repair. kevin ruft schon mal an und schildert, wo wir uns befinden und dass wir ein problem mit den bremsen hätten. fritz will aber zuerst um 1 uhr nachts (9 uhr schweizer zeit) die man-garage in der schweiz anrufen. kevin gibt uns seine nummer und sagt, wir könnten ihn anrufen, wenn er uns irgendwohin chauffieren solle. erschöpft legen wir uns schlafen und stellen vorher noch den wecker. dank der ferndiagnose von guido ist der fehler schnell gefunden. im airfinder ist ein ventil defekt. dieser muss temporär mit einem bypass umgangen werden. und im bypass unbedingt ein überdruckventil anbringen, das auf 8,5 bar begrenzt ist bzw. 124 psi. punkt 8 uhr rufen wir paul von cornwell’s an. er kommt mit trevor, seinem besten mechaniker. erst staunen sie einmal über die europäische motorentechnick. paul sagt, dass die amerikaner mit der technik mindestens 15 jahre im rückstand seien. trevor checkt alles und kommt zu dem gleichen ergebnis. sie haben natürlich nur „zoll-werkzeuge“ und müssen auf unsere „metrischen“ zurückgreifen. gilbert von „sandblech.com“ sei dank haben wir einen 27er gabelschlüssel dabei. er machte uns in den dünen von m’hamid darauf aufmerksam, dass wir für das bremssystem einen 27er benötigen. trevor fährt in der ganzen stadt herum, um metrische anschlüsse zu finden. der junge talentierte mann bastelt uns einen bypass inklusive überdruckventil. in der zwischenzeit halten einige autofahrer an und fragen, ob wir hilfe bräuchten. sie hätten uns gestern schon hier gesehen. der sheriff ist schon fünf mal an uns vorbeigefahren, ohne uns zu beachten. am späten nachmittag können wir endlich weiterfahren. zum glück mussten wir nicht abgeschleppt werden. das hätte uns pro stunde 250 us dollar gekostet. nicht auszudenken, wenn das mitten im nirgendwo passiert wäre. 

wir steuern den picacho peak state park an. weil es vor der rangerstation eine autoschlange hat, läuft rosmarie nach vorne. sie will nur schauen, ob es noch freie campsites hat. der ranger sagt ungehalten: gehen sie sofort wieder zurück in ihr fahrzeug. hier in den usa kann man alles vom auto aus erledigen. stimmt, es gibt drive-thru apotheken, geldautomaten, fastfoodläden etc. der ranger ist zudem bewaffnet und es ist ihm anzusehen, dass er jede überflüssige bewegung vermeidet. als wir an der reihe sind, fährt fritz ganz nahe an den schalter heran und sagt von oben herab: is this okay? dann merkt der ranger, dass er vom schalter aus nur pkw’s bedienen kann. rosmarie muss doch wieder aus dem auto aussteigen. diesmal murrt der ranger nicht.

 

am lake mead

dann wieder meilen vernichten und fahren, fahren…. wir erreichen die boulder beach am lake mead. auf dem fullhookup-campground wollen sie usd 30 für einen der hinteren plätze. die nette dame an der rezeption kann uns keinen rabatt für no service geben. sie macht uns freundlicherweise darauf aufmerksam, dass wir uns auf dem einfach-campground nebenan auch in das internet einkaufen können. wir finden einen sehr schönen platz für usd 10 mit herrlicher aussicht auf den lake mead und in die berge. von anderen reisenden haben wir zwar sehr gute tipps für las vegas erhalten, doch fritz möchte mit gandra nicht in der stadt die stellung halten. dann heisst es den wecker auf 4 uhr stellen, denn um 5 uhr müssen wir uns auf den weg zum flughafen machen.

 

zuhause

rosmarie wird von ihrer mutter und ihrer jüngsten schwester renate am flughafen in zürich abgeholt. nach einem stärkenden kaffee gibt es noch einen zwischenstopp bei der man-garage. die ersatzteile sind schon abholbereit. oh schreck – bei der rückreise wird der koffer durchleuchtet und wahrscheinlich gleich konfisziert. also fotos vom auto und erklärungen beilegen. und am besten den koffer gar nicht abschliessen, sonst werden die schlösser noch aufgebrochen.

 

zurück in den usa

nach der beisetzung ihres vaters fliegt rosmarie wieder zurück nach las vegas. die wiedereinreise bei der zwischenlandung in atlanta ist erstaunlich problemlos. denn es muss schnell gehen, damit die leute ihre anschlussflüge nicht verpassen. auch beim zoll läuft alles speditiv. beim durchlaufen muss man nur das ausgefüllte formular abgeben.

beim auspacken des koffers finden wir einen zettel. der koffer sei aus sicherheitsgründen geöffnet worden und wenn die schlösser defekt seien, so wären sie dafür nicht haftbar. so ist das gesetz. alle kartons wurden aufgerissen, aber es ist noch alles da.

bei der peterbilt garage in st. george lassen wir den neuen airfinder einbauen und den grossen service machen. denn peterbilt hat schon lange auf „metrisch“ umgestellt. die mechaniker sind noch die gleichen. nur steve, der service manager, wurde vor zwei wochen gefeuert. anscheinend zu wenig umsatz.

da wir „ungeplant“ schon wieder in utah sind, ist unser nächstes ziel kanab. dort wollen wir nochmals an der verlosung für die wave teilnehmen. ob es geklappt hat, erfährt ihr im nächsten reisebericht.


03.2012
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