07.2012 yukon - northwest territories - alaska

dempster highway

wir müssen in whitehorse noch lebensmittel einkaufen, trinkwasser auffüllen und diesel tanken. dann fahren wir zusammen mit steffi und benny los richtung dawson city. schon bald erblicken wir wieder den yukon river. das wetter zeigt sich von seiner besten seite, als wir 40 km vor dawson city auf den dempster highway abzweigen. abends beim lagerfeuer überrascht uns steffi mit einem selbstgebackenen hefenusszopf. es ist erstaunlich, was sie alles aus ihrem gasbackofen hervorzaubert. auch bewundern wir das fahrzeug, das benny selbst gebaut hat.

leider schlägt das wetter um. es regnet und die strasse wird schmierig. bald ist die originalfarbe unserer fahrzeuge nicht mehr zu erkennen. benny’s motorrad sieht aus wie eine skulptur. das mag unsere laune nicht zu trüben. unser nächstes ziel – der arctic circle – ist bald erreicht. ab hier geht die sonne weiter nördlich vom 25. mai bis 18. juli nicht unter. es braucht schon eine schweizer uhr, damit man eine ahnung hat, wann man sich schlafen legen soll und wann aufstehen. nach 740 km auf dem dempster highway sind wir in inuvik. wegen dem permafrost sind die häuser auf stelzen gebaut und die permafrostsicheren versorgungsleitungen sind oberirdisch verlegt. ausser der iglu kirche gibt es sonst nicht viel zu sehen. in der public library (öffentliche bibliothek) haben wir highspeed-internet-zugang und können daher auch in diesem sehr abgelegenen ort mit dem rest der welt kommunizieren. dann verabschieden wir uns von steffi und benny. die beiden möchten auf dem rückweg noch tier- und landschaftsaufnahmen machen und wir wollen möglichst schnell nach alaska.

 

top of the world highway – taylor highway - valdez

in dawson city gehen wir zum „car wash“. 3 minuten mit dem hochdruckreiniger kosten 1 kanadischen dollar. nach einer stunde harter arbeit und um 20 can dollar erleichtert, ist der „man“ immer noch nicht sauber. uns reicht es und wir besichtigen erst einmal dawson city. der goldrausch begann 1897 und vorübergehend wuchs der ort auf über 30‘000 bewohner an. bei soviel aussicht auf reichtum siedelte sich auch gleich das auf vergnügen spezialisierte gewerbe an – saloons, bordelle, hotels, theater. endlich verstehen wir auch den ausdruck „die fassade wahren“. da ein mangel an baumaterialien herrschte, wurde immer nur die fassade möglichst schön und anziehend gemacht. die hinterhöfe sahen jeweils wie bretterverschläge aus.

wir überqueren den yukon mit der fähre und sind schon auf dem top of the world highway. am nächsten tag um 8 uhr (alaskazeit) stehen wir am grenübergang nach alaska. da wir noch ein gültiges us-visum haben, werden wir nur nach zitrusfrüchten und einer gültigen tollwutimpfung von gandra befragt. in weniger als 5 minuten sind wir durch.

im kleinen ort „chicken“ schauen wir uns die „jack wade dredge“ an. das ist ein riesiger eimerketten-schwimmbagger. ganze landstriche wurden damit umgepflügt und das gold gleich im bauch des riesigen baggers ausgewaschen. auch hundert jahre danach sind die furchen und dämme noch sichtbar, die das ungetüm hinterlassen hat.

in kennecott wurde bis 1938 rund um die uhr kupfer abgebaut und auf einer extra dafür gebauten 315 km langen eisenbahnlinie ans meer zum verladen gebracht. als die mine geschlossen wurde, hatten die arbeiter genau 2 stunden zeit, um den letzten zug zu nehmen. heute führt eine 93 km lange strasse mit übelsten schlaglöchern gespickt zum teil auf dem alten eisenbahntrasse bis zu einer fussgängerbrücke. ab dort geht es mit einem shuttle zur verlassenen mine. die gebäude sind am zerfallen, werden aber vom nationalpark service nach und nach restauriert.

wir haben die fähre von valdez nach whittier über den price william sound auf den 12. juli gebucht. am vorabend um 11 uhr nachts piepst das ipad von rosmarie und wir erhalten von der fährgesellschaft eine nachricht, dass die fähre wegen technischen problemen morgen nicht auslaufen werde. zuerst denken wir an einen scherz. am nächsten tag wollen wir am fährterminal umbuchen. doch niemand ist da. dann erzählt uns eine fischersfrau, dass die fähre vor 2 wochen schon einmal repariert werden musste. deshalb entschliessen wir uns, nicht zu warten und auf dem landweg zur kenai halbinsel zu gelangen.

 

kenai peninsula

auf dem weg nach homer machen wir halt in ninilchik. es ist sonntag und in der russisch-orthodoxen kirche wird gerade eine messe abgehalten. auch sonst ist die russische vergangenheit in dieser gegend immer noch deutlich sichtbar.

am 17. juli erreichen wir in anchor point den westlichsten auf einem highway erreichbaren punkt in nordamerika. über ein jahr hat es gedauert, bis wir vom östlichsten mit einem auto in nordamerika erreichbaren punkt in st. lewis, labrador, bis hierher gelangt sind. das möchten wir unseren reisebekanntschaften vor augen halten, die uns immer wieder augenzwinkernd mitteilen, dass wir „schnecken“ von unserer homepage streichen sollen.

in homer wohnen viele künstler und alternde hippies. den „chalet-camper“ auf dem homer spit erkennen wir sofort wieder. den besitzer haben wir auf der baja getroffen. er hat uns damals nach homer „eingeladen“. auf dem homer spit besitzt er einen kiesplatz zwischen meer und hauptstrasse. für eine nacht „parken“ will er uns usd 25 „abknöpfen“. wir fahren weiter zum bootshafen und wir übernachten mit herrlicher meersicht zum nulltarif. die alaksa state troopers (polizei) und die security fahren vorbei und winken uns zu.

seward erwartet uns mit herrlichem sonnenschein. wir buchen eine bootstour zum kenai fjords nationalpark. wir sind überrascht, wieviele tiere wir erblicken – seeotter, seehunde, wale, puffins. beim kalbenden holgate gletscher hören wir ein ständiges knacken und krachen im eis. bis wir die geräusche orten können, ist es meistens schon zu spät und die eisbrocken liegen bereits im wasser.

wir fahren zum denali nationalpark. auf dem weg dorthin können wir einen kurzen blick auf den mount mc kinley werfen, bevor er wieder in den wolken verschwindet. da zur zeit sehr viele reisegruppen unterwegs sind, sind alle campgrounds voll belegt. auch haben wir keine lust auf eine tour in einem ausrangierten schulbus.

 

dalton highway

in fairbanks treffen wir anita und mark. zusammen fahren wir auf dem dalton highway richtung deadhorse. zum zweiten mal überqueren wir den arctic circle und können wieder von 24 stunden tageslicht profitieren. die solarpanels danken uns dies. in coldfoot im visitor center informieren wir uns über den bau des highways und der pipeline. in nur 5 monaten wurde der 800 meilen lange highway erstellt. dabei waren der permafrost, die bergketten und der yukon river die grösste herausforderung für die ingenieure. der bau der pipeline dauerte nur 3 jahre (1974-77).

in wiseman, einem ehemaligen minendörfchen am koyukuk river, wohnen noch ein paar betagte jäger und fallensteller. im 1907 gegründeten ort fühlen wir uns in eine andere zeit versetzt. am fluss schlagen wir unser camp auf und geniessen die stille und das outdoor-leben am lagerfeuer. auf dem weiteren weg nach norden entlang der pipeline entdecken wir karibus und im flussbett des yukon sehen wir zum ersten mal moschus-ochsen.

der ort deadhorse besteht nur aus bohrtürmen und containern. die hotels und der supermarkt sind ebenfalls nur eine aneinandereihung von containern. alles muss sehr mobil und rückbaubar sein. der minimallohn eines arbeiters hier ist 60‘000 dollar pro jahr (z.b. küchengehilfe, putzkolonne). dazu kommt freie unterkunft und verpflegung, gratis internet, telefon, spa, etc. gearbeitet wird in schichten von 14 tagen. dann wieder 14 tage frei. die leute werden nach fairbanks oder anchorage ausgeflogen. jede gesellschaft hat einen anderen schichtwechseltag, damit sich die flüge auf die ganze woche verteilen. sollten die ölquellen einmal versiegen, muss alles abgebaut und die landschaft wieder renaturiert werden.

telefonisch buchen wir den ausflug mit dem shuttle an die prudhoe bay (us dollar 49 pro person für 2 stunden). als wir unsere füsse in den arctic ocean tauchen, realisieren wir, dass wir ein wichtiges etappenziel von unserer reise erreicht haben.

gemütlich fahren wir zurück richtung fairbanks. beim 5-mile-campground machen wir nochmals halt. abends besucht uns der helikopterpilot bob wieder. er logiert im nahegelegenen hotspot motel und café. täglich muss er mit dem heli geologen an bestimmte stellen ausfliegen. diese untersuchen die uran-vorkommen in der gegend. bob informiert uns auch, dass am nächsten tag der dalton highway zwischen mile 20 und mile 4 gesperrt sei. eine neue brücke wird erstellt. da kommen wir ungeplant in den genuss eines ruhetages. am nächsten tag muss bob die crew in ein entlegenes gebiet ausfliegen und hat für den rest des tages frei. spontan lädt er uns alle 4 und die wirtin vom „hotspot“ zu einem kurzen helikopterflug ein. bob ist ein sehr erfahrener pilot mit über 22‘000 flugstunden. in vietnam hat er über monate eine cobra geflogen und ist in kurzer zeit zum leiter einer staffel aufgestiegen.

zurück in fairbanks heisst es auch abschied nehmen von anita und mark. unsere wege trennen sich wieder. wer weiss, wann wir uns das nächste mal irgendwann irgendwo wieder treffen.