11.2012 san miguel de allende, guanajuato, méxico

día de los muertos (tag der toten)

der „día de los muertos“ ist einer der wichtigsten feiertage der mexikaner. es ist ein mehrtägiges volksfest zu ehren der toten und keine trauerveranstaltung. gefeiert wird vom 31. oktober bis zum 2. november. die mexikaner glauben, dass in dieser zeit die seelen der verstorbenen zu ihren familien zurückkehren. zu hause und auf öffentlichen plätzen werden altäre (ofrendas) mit bildern von den toten, kerzen, orangefarbenen blumen und totenköpfen aus zuckerguss mit viel hingabe hergerichtet. das soll den toten die rückkehr zu ihren familien erleichtern. in den strassen, geschäften und pärken sind skelette aus pappmaché (calaveras) zu sehen. ganze strassenzüge werden mit bunten scherenschnitten geschmückt. es wird viel musiziert und es finden auch paraden mit „skelett-damen“ (catrinas) statt. in der nacht vom 1. auf den 2. november wird auf den friedhöfen der abschied von den toten gefeiert. es wird dort gegessen, getrunken, musiziert und getanzt.

 

tod in der arena (plaza de toros) 

in san miguel de allende findet gerade ein stierkampf (corrida) statt. wir wollen uns das einmal ansehen. was wir da zu gesicht bekommen, finden wir total unfair. der stier wird durch verwundungen und dem daraus resultierenden blutverlust so stark geschwächt, dass der stierkämpfer voll im vorteil ist. das publikum ist mit der jämmerlichen vorstellung des ersten matadors sehr unzufrieden und er wird lauthals ausgebuht und ausgepfiffen. nach dem tod des zweiten stiers reicht es uns endgültig. die weiteren 6 matadores schenken wir uns und wir verlassen den ort des geschehens. so etwas tun wir uns nie wieder an.

 

día de la revolución 

der 20. november ist in mexiko der „revolutionstag“. da dieser tag im 2012 auf einen dienstag fällt, wird der montag zum arbeits- und schulfreien tag erklärt. so profitieren die leute von einem verlängerten wochenende. die meisten geschäfte sind 365 tage im jahr geöffnet und viele davon nutzen dieses „buen fin“ für den ausverkauf. es gibt überall saftige rabatte und aktionen – ähnlich wie der „black friday“ in den usa.

am jahrestag der revolution findet dann eine parade der schulkinder und polizisten statt. die altstadt wird für den verkehr gesperrt. beim „desfile“ sind nur die öffentlichen schulen mit von der partie. die privatschulen nehmen daran nicht teil. einige kinder sind als kleine „pancho villas“ verkleidet und tragen schnäuze und plastik-gewehre. andere demonstrieren die sportarten ihres vereins vor. es ist erstaunlich, wieviele kinder hier in ihrer freizeit sport betreiben. ausserordentlich beliebt bei mädchen und jungen ist baseball. jeden abend werden im parque juárez mehrere jugend-gruppen trainiert. auch vom camping aus können wir beobachten, mit wieviel freude die kleinen in die tennisstunde kommen.

 

schulwesen 

in den öffentlichen schulen werden in einer klasse 45 – 50 kinder unterrichtet. aus mangel an örtlichkeiten und lehrkräften können die meisten kinder nur 3 stunden in die schule – die einen am morgen und die anderen am nachmittag. es kann also sein, dass ein lehrer bis zu 100 kinder unterrichtet.

wer es sich leisten kann, schickt seine kinder in privatschulen. dort ist die klassengrösse nur zwischen 25 bis max. 30 und die kinder werden mindestens bis 14 uhr unterrichtet. oft ist der unterricht in den privatschulen zweisprachig – spanisch und englisch. 

 

santa cecilia – schutzheilige der musik

am 22. november fangen sie um 4 uhr morgens mit böllerschüssen und feuerwerken an. von der nahe gelegenen kirche san antonio hören wir schon im morgengrauen blasmusik. es ist der vierte donnerstag im monat november und wir tippen auf thanksgiving. weit gefehlt, es wird zu ehren von santa cecilia gefeiert, der schutzpatronin der musikanten. bis spät abends wird der schutzheiligen ziemlich lautstark die ehre erwiesen.

 

alltag 

langsam bekommen wir den eindruck, dass mexiko ein einziger festplatz ist. auch die einzelnen familien nehmen jede gelegenheit wahr, um etwas zu feiern oder die verwandtschaft und freunde zu vereinen. trotz der schon seit längerer zeit anhaltenden ökonomischen krise ist von missmut wenig zu spüren. die mexikaner haben eine positive lebenseinstellung und sind für alles offen. darum ist es nicht verwunderlich, dass die möglichkeitsform (subjuntivo) in der spanischen sprache eine sehr wichtige rolle spielt. so kommt es, dass rosmarie und ihre 2 mitstudenten in der academia schon seit 4 wochen subjuntivo „büffeln“ müssen…… wie schon rainhard fendrich gesungen hat: „alles ist möglich, aber nix is fix“.