01.2015 im süden von marokko

Das neue Jahr beginnen wir unspektakulär auf einer Raststätte kurz vor Lausanne. Wir geben Gas und landen bald in Frankreich. Mittagspause machen wir in Digoin. Schade, haben hier der Bäcker und die Gourmet-Läden geschlossen. Wie wir feststellen, machen all die kleinen Geschäfte die Brücke bis und mit Sonntag, 4. Januar. Bei einem Spaziergang der Loire entlang sehen wir, dass sogar das Wasser im Pont Canal gefroren ist. Wir möchten endlich die Winterkleider im Schrank verstauen und sehnen uns nach wärmenden Sonnenstrahlen. In Jarnages machen wir früh Feierabend auf dem Stellplatz der Gemeinde. Den schönen Platz direkt an einem Teich kennen wir noch vom letzten Jahr. Auch hier ist kein frisches Brot erhältlich. So kommt zum ersten Mal die Brotbackmaschine zum Einsatz. Das Resultat ist sehr lecker – auch wenn die Form nicht gerade berauschend aussieht. Via Bellac und Angoulême erreichen wir bald die Ringautobahn von Bordeaux. Auch hier herrscht wenig Verkehr wegen der Feiertagsbrücke. Wir nützen die Zeit und passieren bald die Grenze zu Spanien. Die Autovía “Ruta de la Plata” von Burgos – Salamanca – Sevilla bis Algeciras ist relativ neu und meist wenig befahren. Den Tipp für diese schnelle und landschaftlich interessante Strecke haben wir letztes Jahr von einem Holländer bekommen. Sonntags um die Mittagszeit stürmen wir den Lidl in Algeciras und stocken unsere Vorräte auf. Anschliessend kaufen wir bei Carlos das Ticket für die Ueberfahrt nach Tanger Med. Wir buchen die Fähre um 16 Uhr. An Bord sind nicht viele Passagiere und die Passkontrolle ist in wenigen Minuten erledigt. Auch im Hafen von Tanger Med werden wir schnell abgefertigt. Auf der Umgehungsstrasse von Rabat machen wir einen Boxenstop beim Marjane. So einen grossen Einkaufstempel haben wir selten gesehen. Wir entdecken sogar einen Laden mit SD-Karten. Diese brauchen wir dringend, da sich beim Umräumen die Marokko-Karte für das Navi in Luft aufgelöst hat. Wir installieren uns erst einmal im Camping Le Relais in Marrakech. Die Absicht ist, dass hier nun das allerletzte Ding seinen Platz finden sollte. Sollte – nach der 3. Nacht ergreifen wir die Flucht und düsen Richtung Agadir. Vor Agadir sind wir noch unsicher, ob wir den Blinker nun rechts oder links stellen sollen. Da es schon dämmerig ist, suchen wir uns einen Platz zum Uebernachten inmitten von Arganienbäumen. Am anderen Morgen sind wir schon auf dem Weg nach Tafraoute. In Ait Baha müssen wir eine Umfahrung nehmen, die uns durch schmale Dörfer führt. Der Fahrer ist voll gefordert – manchmal geht es auf beiden Seiten um wenige cm. Wir werden belohnt mit schöner Landschaft. Viele Hänge sind terrassiert. Nur die Felder mit den Mandelbäumen werden noch bewirtschaftet. Von Tafraoute und der Umgebung sind wir jedes Mal hingerissen. Die rotbraunen Granitfelsen und die Palmen davor wirken auf uns wie eine unwirkliche Kulisse. Letztes Jahr war der ganze Platz hinter dem Ausbildungszentrum voller französischer Hippies. Jetzt kann man die Wohnmobile an einer Hand abzählen. Bei den bemalten Felsen fragen wir uns ebenfalls, wo sind die Gammel-Womos nur geblieben. Wir können in dieser Gegend nun das erste Mal die Geländetauglichkeit unseres Gefährts testen. Am Abend merken wir, dass wir bei den Felsen mit dem Maroc Telecom Webstick “highspeed” Internet haben. Da könnte sich die Swisscom eine Scheibe abschneiden.

Tiznit ist bekannt für seine Silberschmiedarbeiten und den sehr schönen Handwerkssouk – aber neiiin – für alles, was neu angeschafft wird, muss etwas entsorgt werden.

In Sidi Ifni sind wir überrascht über das Ausmass der Zerstörungen, die das Unwetter vom letzten November angerichtet hat. Ganze Campingplätze, Häuser und Strassen sind weggespült worden. Eine obdachlos gewordene Familie campiert mitten auf einer Kreuzung.

Von Gabi und Peter haben wir erfahren, dass sie zum Wüstenfestival in M’Hamid wollen. Wir verabreden uns in Foum Z’guid. Dort treffen wir auch Jaqueline und Pekka mit ihrem Hund Kuno. Wir beschliessen, gemeinsam südlich um den Erg Chegaga nach M’Hamid zu fahren. Die Dünen sind zwar nicht sehr hoch, aber trotzdem sandet sich jeder mal ein. Wir erleben sogar einen Sandsturm und alle sind froh, dass wir in unserer Hütte genug Platz haben für 6 Personen und 2 Hunde.

In M’Hamid entspricht das Taragalte Festival leider nicht so unseren Erwartungen und es grenzt haarscharf an Touristennepp. Auf dem Programm stand ein Kamelrennen. Es posierten aber nur ein paar Männer mit ihren Kamelen, damit die Touristen Fotos schiessen konnten. Wir sparen uns die restlichen 2 Festivaltage und verschieben uns nach Zagora. Hier trennen sich unsere Wege wieder und wir nehmen die schon seit längerer Zeit für den Asphalt vorbereitete N12 Richtung Tizi’n’Tafilalet unter die Räder. Auch hier leuchten die Berge violett. Dafür verantwortlich ist eine Blume, für die scheinbar die Einheimischen keinen Namen wissen. Seit Jahrzehnten soll sie nicht mehr geblüht haben. Sie erinnert uns an das Fireweed, das wir in Nordamerika oft gesehen haben. In Oum Jerane beratschlagen wir kurz, wie es nun weitergehen soll. Dann nehmen wir Kurs Richtung Hammada Kem Kem. Auf einem Hügel mit 360°-Rundumsicht schlagen wir unser Camp auf und die Brotbackmaschine kommt in dieser Wüsteneinsamkeit schon wieder zum Einsatz. Eigentlich sollte man an so einem Traumplatz ein paar Tage stehen bleiben. Der Barometer ist ziemlich gefallen und Bewölkung kommt auf. Es sind noch mehrere Schwemmtonebenen zu durchqueren, was bei Nässe nicht zu schaffen wäre. Bald erreichen wir den Lac Maider. Hier sehen wir noch feuchte Stellen und folgen den Spuren, die nicht im Schlamm enden. Vor Hassi Remlia müssen wir das Oued Rheris durchfahren. Es geht 4 – 5 km durch Tiefsand. Bloss kein Gegenverkehr und nicht anhalten. Etwas grenzwertig für uns. Eine Schrägfahrt endet nur dank der Erfahrung von Fritz und der Power unserer Maschine nicht in einer Katastrophe.

Dann kommen wir in Merzouga an und wollen bei der Auberge Les Roches campieren. Dort stehen schon einige Joghurtbecher. Wir möchten an dieser Stelle nicht wiedergeben, mit welchen Worten wir von den dortigen Campern empfangen werden. Das Paar im vordersten Womo hat alle Rollos geschlossen und sie sind am Fernsehen gucken. Der Mann und die Frau kommen blitzartig in ziemlich aggressiver Stimmug raus und verteidigen die Aussicht auf den Erg Chebbi und ihren imaginären Vorgarten. Fritz sagt, sie seien ja nicht glaubwürdig, wenn sie alles verdunkeln und in die Glotze starren. Die Frau schreit hysterisch: Das Gespräch ist beendet! Der Besitzer der Auberge weist uns einen Platz auf der Schutthalde zu. Diesen hätten wir nicht mal umsonst genommen. Wir lassen Luft ab und verziehen uns einige Tage in die Dünen, wo wir die Ruhe und Einsamkeit geniessen. Wenn wir das Modem richtig platzieren, haben wir hier zu unserem Erstaunen sogar Internetempfang.