02.2015 im osten von marokko

Von Gabi und Peter erfahren wir, dass auch sie inzwischen beim Erg Chebbi angekommen sind. Wir treffen sie bei der Auberge „La Chance“. Der Blick vom Camping auf die Dünen ist grandios. Verhungern müssen wir auch nicht. Die Overlander-Gruppe versucht, ein im Lehmofen gegartes Mouton zu verspeisen. Anschliessend kommen auch die Vierbeiner nicht zu kurz.

Den Osten Marokkos haben wir bisher kaum bereist. Im Kohlbach-Führer ist eine Piste von Erfoud nach Boudenib beschrieben. Nachdem die Punkte im GPS eingegeben sind, machen wir den grossen Lebensmittel-Souk von Erfoud unsicher. Es gibt auch eine extra Abteilung für die Sijilmassa-Datteln – Weltklasse.

Anfangs ist die Piste noch sehr gut, dann müssen wir viele tiefe Oueds und Sandpassagen durchqueren. Wir treffen in dieser einsamen und kargen Gegend immer wieder auf Nomaden in ihren Zelten. Erstaunlich, wie diese Menschen noch im Einklang mit der Natur leben. Trotz aller Warnungen wegen der Grösse unseres neuen Fahrzeuges schaffen wir die Strecke bis Boudenib ohne Probleme. Im Ort findet gerade der Sonntags-Souk statt. Neben Lebensmitteln und Tieren werden auch viel Elektronik-Schrott und Waren aus unseren Kleidersammlungen angeboten.

Gemeinsam mit Gabi und Peter planen wir eine kleine Rundreise, die uns wieder nach Boudenib zurückführen wird. In Irara fragen wir, ob die Piste nach Ait Ouazzag zu befahren sei. Unisono sind alle der Meinung, dass der Zustand der Piste extrem schlecht sei. Ein älterer Mann rät uns, 7 km zurückzufahren und die gute Piste nach Beni Tajjite zu wählen. Wir wagen es trotzdem und die Strecke wird zu einer wahren Herausforderung. Manchmal müssen wir die ausgespülten Oueds wegen dem Böschungswinkel ziemlich schräg befahren. Aber wir sind ja auf einer Testreise ;-))

Kurz vor der Olivenfarm in Ait Ouazzag müssen wir das Oued Ait Aissa queren. Auf der anderen Seite geht es plötzlich nicht mehr weiter. Nomaden haben hier mitten auf der Piste einen Garten angelegt. Eine Ausweichmöglichkeit gibt es nicht. Schliesslich können wir uns mit der alten Nomadenfrau einigen und sie gestattet uns die Durchfahrt. Der Deutsche Thomas Friedrich ist nur noch selten auf der Olivenfarm anzutreffen. Diese wird mittlerweile vom Verwalter Ali und seiner Familie geführt. Wir kaufen Olivenöl und fahren weiter nach Gourrama. Von dort soll eine sehr interessante Piste nach Bourdim und weiter bis Missour gehen. Leider haben wir keine GPS-Punkte und wir sind ganz auf unsere Landkarten angewiesen, die nicht immer ganz stimmen. Guten Mutes fahren wir nordwärts auf der R 7100. Diese führt durch ein tiefes Oued und es sind im Kiesbett auch deutliche Fahrspuren zu sehen. Es wird immer abenteuerlicher und gemäss Karte sind wir auf dem richtigen Weg. Wir erfragen bei den Einheimischen den Weg nach Bourdim. Alle schütteln den Kopf. Bourdim – La (nein). Da noch Spuren zu erkennen sind, fahren wir weiter. Hier erleben wir wieder das ursprüngliche Marokko, wie wir es von unseren ersten Reisen her kennen. Im letzten Dorf ist dann aber Schluss. Da Bourdim von Rich aus erschlossen ist, wird diese Piste nicht mehr gepflegt und wir müssen umdrehen. Von Rich aus erreichen wir auf einer sehr gut ausgebauten Piste die Passhöhe vor Bourdim. Die Aussicht ist so einmalig, dass wir hier unser Camp aufschlagen. In der Nacht fällt die Temperatur und es fängt an zu schneien. Zum Glück zeigt sich am nächsten Tag die Sonne wieder. Als wir Bourdim erreichen ist wieder einmal Schulschluss und wir werden von einer Horde Schüler empfangen. Der Lehrer lädt uns im Schulzimmer zum Tee ein und offeriert uns Fladenbrot mit feinem Olivenöl. Wir erfahren, dass die Strecke von Missour – Bourdim – Gourrama – Boudenib – Erfoud immer wieder von Rallys befahren wird. Die Weiterfahrt von Bourdim nach Norden führt uns durch eine atemberaubende Schlucht. Alleine deswegen hätte sich diese Rundfahrt schon gelohnt. Von Beni Tajjite zweigen wir auf die R 601 ab. Sie ist zwar auf der Michelin-Karte als Piste eingezeichnet und der Navigator ist zuversichtlich, da wir diese R 601 sogar auf dem Navi haben. Uns fehlen aber Informationen über den Zustand der Strecke. Vor dem Col de Belkassem übernachten wir und am nächsten Morgen nehmen wir die Passstrasse in Angriff. Die Strecke wird sehr anspruchsvoll und die Beifahrer von beiden Teams wollen schon bald aussteigen. Schliesslich muss man doch Fotos schiessen ;-))

Auf der anderen Seite geht es bald nur noch über felsige Passagen und die Fahrer müssen sich voll konzentrieren. Als wir die Teerstrasse erreichen und die Reifen aufpumpen wollen, ist natürlich wieder einmal Schulschluss und wir werden richtiggehend von einer Meute Kinder belagert. Jetzt muss Gandra ran und uns den Rücken freihalten. Bei der Ankunft auf dem Camping Rekkam in Boudenib kann der Besitzer François kaum glauben, dass wir mit den Camions den Col de Belkassem geschafft haben. Nachdem wir ihm die Bilder gezeigt haben, holt er seine letzte Flasche Pastis hervor und feiert mit uns dieses Ereignis. Offenbar wird die Strecke nur von Hardcore 4x4 Fahrern oder von Rallys gefahren. Auf dem Camping fühlen wir uns sehr wohl. Das Essen ist super und François kümmert sich persönlich um seine Gäste. Er zeigt uns mit seinem Geländewagen die nähere Umgebung von Boudenib. Nur wenige Leute wissen, dass ausserhalb des Ortes ein Ksar mit internationalen Geldern restauriert wird und ein altes Fort der Franzosen zu besichtigen ist. Die roten Tafelberge mit den grünen Palmen davor und das spezielle Flair dieses Ortes laden zum längeren Verweilen ein. Bevor wir abreisen, erhalten wir von François auch noch viele Informationen über die Pisten im Osten. Dann verabschieden wir uns wieder einmal von Gabi und Peter. Sie wollen nach Marrakech fahren und wir weiter nach Osten. Leider holt uns schon bald das schlechte Wetter ein. Es regnet in Strömen und die Furten sind überflutet. Vor einer sehr tiefen Stelle müssen alle 7 Passagiere aus dem Sammeltaxi aussteigen. Sie fragen uns dann, ob sie mit uns über das Wadi fahren könnten. So spielen wir noch Taxi für die Einheimischen. Die geplanten Pisten können wir wegen den Ueberschwemmungen nicht befahren. Also nehmen wir die Teerstrasse nach Figuig. Wir können auch auf den zweiten Blick den von den Reisebuchautorinnen beschriebenen Charme dieser Oase nicht erkennen. Die alten Ksour sind verfallen und daneben sind hässliche Neubauten errichtet worden. Ueberall liegt Bauschutt herum und die Einheimischen betrachten uns feindlich.

Im Norden scheint das Wetter besser zu werden und deshalb ist unser nächstes Ziel das Mittelmeer. Unterwegs können wir von einem Rastplatz mal kurz über den Grenzzaun nach Algerien schauen. Wir wagen den Ausflug zum „Cap des trois Fourches“. An der spanischen Enklave Melilla vorbei führt eine abenteuerliche, schmale und kurvenreiche Strasse in Richtung Cap. Immer wieder entdecken wir Fischerdörfer an den Klippen. Bei den kleinen Orten an der Strecke hängen die Stromkabel ziemlich tief. Einmal möchte sich ein Alter gerne ein Bier verdienen, indem er uns unter dem Kabel vor seinem Wohnhaus durchlotst. Schade nur, dass auch wir schon lange auf dem Trockenen sitzen. Nicht mal der Marjane hat mehr Alkohol im Angebot. Draussen am Cap bläst der Wind so stark, dass wir einen kurzen Moment unsicher sind, ob wir die Nacht ohne Seekrankheit überstehen werden.

Die Standard-Reiseführer empfehlen die Fahrt über den erloschenen Vulkan Jebel Gourougou. Zum Glück lesen wir auch mal die Online-Zeitungen. In der NZZ stossen wir auf einen aktuellen Artikel genau über diesen Gourougou. In den Wäldern halten sich all die illegalen Schwarzafrikaner auf, die von Algerien aus in Marokko gelandet sind und vergeblich versucht haben, nach Europa zu gelangen. Sie haben sich nach Nationalitäten organisiert und versuchen unter menschenunwürdigen Zuständen irgendwie zu überleben.

Auf unserer Weiterfahrt nach Westen  bietet uns die gut ausgebaute N16 immer wieder sensationelle Ausblicke auf das Mittelmeer und das Rifgebirge.

Schon bald werden wir wieder nach Europa übersetzen. Noch haben wir nicht definitiv entschieden, wohin uns die nächste Reise führen wird.