06.2015 balkan-route - griechenland

Ueber das verlängerte Fronleichnam-Wochenende findet wieder das traditionelle Globetrotter-Treffen südlich von München statt. Wie jedes Jahr sehen wir viele bekannte Gesichter. Auch Peter – der neue Besitzer vom „kleinen“ MAN – ist extra aus Indien angereist. Wir hören immer wieder spannende Kommentare über unser neues Fahrzeug. So sagt doch einer, dass man mit diesem Monster weder auf der Strasse noch im Gelände fahren könne. Wir hören, wie ein anderer über unseren „grossen“ MAN lästert und als Fritz das Fenster öffnet, sagt er: Schönes Auto haben sie. Wer Fritz kennt, kann sich vorstellen, wie er reagiert hat. Mehrheitlich bekommen wir aber Komplimente. Dann kommt der Moment des Abschieds. Erst jetzt wird uns bewusst, dass wir das Vertraute und Gewohnte wieder hinter uns lassen. Immer Neues entdecken macht den Reiz des Reisens aus  – ist manchmal aber auch sehr anstrengend.

Dann nehmen wir Kurs auf Ancona. Nach der ersten Zahlstelle auf der Autobahn merkt Rosmarie, dass ihre vorher gezückte Kreditkarte nicht mehr auffindbar ist. Also in der nächsten Parkbucht die Bank anrufen und Karte sperren lassen. Zum Glück ist noch nichts abgebucht worden. In der Vergangenheit hatten wir immer kurzfristig noch einen Platz für Camping an Bord auf einer der griechischen Fähren gefunden. Sobald wir die Frage nach der Länge unseres Fahrzeuges ehrlich beantworten, bekommen wir ein Nein. Wir würden einem LKW den Platz wegnehmen. Sie vertrösten uns auf den nächsten Tag. Dank der App vom ADAC finden wir den offiziellen Stellplatz der Stadt Ancona beim Supermarkt Auchan. Dort haben wir sogar WiFi. Am nächsten Morgen wird Rosmarie vom spannenden Treiben der italienischen Homeless so abgelenkt, dass sie glatt vergisst, die WLAN-Antenne einzuklappen. Beim Durchqueren der ersten Trolley-Bus-Linie hören wir ein Knacken. Der erste Verdacht bestätigt sich leider: Die Antenne ist hin. Die Nerven sind leicht angespannt. Am Hafen dann die Mitteilung: Wieder kein Camping an Bord. Diesmal wollen sie uns sogar nach Bari schicken. So entscheiden wir uns für die Balkan-Route. Der einzige Stellplatz in der Nähe von Venedig für Dickschiffe und Hundeerlaubnis ist in Jesolo Pineta (Camping Park Dei Dogi). Von dort wollen wir die Bus-Fähre nach Venedig nehmen. Es ist sehr heiss und wir vernehmen von unseren temporären Nachbarn, dass es in Venedig nur so von Chinesen wimmelt. Wir haben beide in jungen Jahren schon einmal die Lagunenstadt besucht. Unser Interesse schwindet und wir flanieren lieber mit Gandra auf der wirklich schönen Promenade am Meer. Schon bald sind wir in Kroatien. Die Autokamps - eingeklemmt zwischen Strasse und Meer - sind nicht nach unserem Geschmack. Nur dank der OSM-Karte - die in dieser Gegend um einiges genauer ist als die von Garmin - finden wir freie Uebernachtungsplätze direkt am Meer mit atemberaubender Kulisse. In Dubrovnik fährt Fritz frech einem Touristenbus in Richtung Altstadt nach. Das Unesco-Welterbe wird schon vormittags von unzähligen Chinesen-Gruppen gestürmt. Rosmarie vergeht die Lust, dieses Kleinod zu besuchen. Kurz vor der Grenze zu Montenegro sehen wir das Schild Camping Monika. Als wir auf einer der Terrassen einen Platz gefunden haben, kommt die Chefin und sagt, wir wären für sie überhaupt nicht interessant. Dort wo wir stehen, könnte sie bis zum Abend 4 kleine Camper platzieren und die würden ihr alle 18 Euro bezahlen. Nun, wir wollen nicht gleich noch den Camping kaufen. Wir überqueren bald die Grenze und sind in Montenegro. Bei einem Supermarkt in Tivat spricht uns ein Ami an. Er findet unser Auto so cool und „awesome“. Scheinbar lebt er schon länger in Montenegro und hat ein Adventure Business. Sein ultimativer Tipp: Die vorgelagerte Halbinsel. Es sei das Beste überhaupt, was Montenegro zu bieten habe. Dort könnten wir überall frei stehen. Wir nehmen also die Ringstrasse, die um diese Halbinsel führen soll. Bald ist die Strasse links und rechts mit Autos zugeparkt. Wir quälen uns 2 km vorwärts und landen dann in einer Baustelle. Fritz muss fast 1 km rückwärts fahren bis es eine Wendemöglichkeit gibt. Wir veranstalten ein kleineres Verkehrs-Chaos. Ein Wunder, dass sich niemand aufregt. Jetzt haben wir genug von der Küste und wollen mal die grün bewachsenen Hügel von Montenegro erkunden. Wir schrauben uns eine enge Passstrasse hoch und erblicken von weit oben den Skadar See. Durch enge Dörfer und schmale Strassen erreichen wir dann einen geeigneten Uebernachtungsplatz beim See. Der Fischer am Ufer traut seinen Augen nicht als er unser Fahrzeug erblickt. Zurück an der Küste tanken wir noch LPG-Gas. Da auch die Haushalte nur noch mit diesem Gas kochen, hat der Tankwart auch gleich den passenden Adapter zur Hand. Ein argentinisches Pärchen mit einem Motorrad spricht uns bei der Tankstelle an. Die beiden haben die Panamericana bereist, anschliessend nach Singapore verschifft und sind jetzt via Burma-Indien-Pakistan in Europa gelandet.

In Richtung Albanien nehmen wir eine Nebenstrasse und landen vor einem schmalen in den Fels gehauenen Tunnel. Wir parken rechts am Strassenrand und wollen schauen, ob wir da durchfahren können. Kein Schild betreffend Höhe und Breite. Da kommt uns von der anderen Seite des Tunnels ein betagtes holländisches Paar mit einem Wohnmobil entgegen. Der Fahrer erschrickt so ab unserem Anblick, dass er die rechte Tunnelwand mehrmals streift. Die zwei sind wohlauf und der Schaden hält sich in Grenzen. Es liegen ja nur Plastikteile am Boden. Rosmarie geht auf die andere Seite des Tunnels und hält den Verkehr auf, damit Fritz in der Mitte durchfahren kann. An der Grenze stehen wir erst mal im Stau. Die ausländischen Fahrzeuge werden im Computer erfasst und das dauert. Die Landschaft hat sich nicht geändert. Immer noch grüne Hügel so weit das Auge reicht. Die Leute wirken deutlich ärmer und schauen uns auch finster und misstrauisch an. Wir fühlen uns nicht so recht wohl. Alle paar Meter gibt es eine Lavazh (Autowäsche). Als Besonderheit fällt uns auf, dass viele ältere Menschen eine Kuh an der Leine auf Feldern und Wiesen herumführen. Wahrscheinlich haben sie zuhause nicht genug Futter oder das Tier ist zu wertvoll. Auf dem Land sind die meisten Leute Selbstversorger und wir beobachten sie immer wieder auf den Feldern beim Arbeiten. Um Tirana zu durchqueren müssen wir mehrmals LKW-Fahrverbote missachten. Das kümmert die herumstehenden Verkehrspolizisten überhaupt nicht. Wir sind erstaunt über die Prachtbauten im Zentrum der Hauptstadt und die vielen Autos der Oberklasse. Erst am geheimnisvollen Ohrid-See versöhnen wir uns mit diesem Land. Wir installieren uns auf dem neueröffneten Erlin Camping. Da wir WiFi haben, starten wir den Visa-Prozess für den Iran. Wir sind gespannt, wie lange es dauert, bis wir die Referenz-Nummer erhalten werden. Am zweiten Tag kommt ein Landy mit Innsbrucker Kennzeichen. O-Ton der Begrüssung: Die Schweizer mag ich nicht. Die haben alle einen Dachschaden, weil sie so grosse Autos fahren. Da sind selbst wir platt. Wieso parkt er dann neben uns? Es hätte genug Platz auf der gegenüberliegenden Seite. Gandra kommt raus und bellt. Die Frau reisst das Fenster der BiMobil-Kabine auf und belehrt uns: Wissen sie nicht, dass man weltweit auf den Campingplätzen die Hunde anleinen muss! Am nächsten Morgen entdecken wir auf dem Fahrzeug den Spruch: Die Welt ist nur auf Reisen zu ertragen. Bei der Ausreise aus Albanien wird unser Fahrzeug im Compi ausgetragen. Beim griechischen Zoll spricht uns der Grenzbeamte auf Deutsch an. Es ist ein Oesterreicher, der für 2 Monate an die Schengen-Aussengrenze versetzt worden ist. Er ist erstaunt über die vielen durchreisenden Overlander mit Ziel China, Indien, Mongolei.

Die Landschaft ist immer noch hügelig und grün. Bald können wir den ersten Lidl stürmen und die Stimmung hebt sich sichtlich. An Seen und Flüssen gibt es immer wieder Picknick-Plätze mit Wasserhähnen und Mülltonnen. Man kann sich überall hinstellen und das ohne Permit. Dafür lieben wir Griechenland. Die Wirklichkeit holt uns in Thessaloniki ein. Stillstehende Betonwerke, herumstehende LKW’s, brachliegende Industrieareale, verwaiste Hotels, leere Restaurants. An der „Beach of Ofrynio“ parken wir auf der öffentlichen Wiese beim Strand. Am Montag findet der grosse Wochenmarkt statt. Von vielen Markfahrern wird frisches Gemüse und Obst angeboten. Im Vodafone-Shop kaufen wir uns eine SIM-Karte für unseren Webstick. Trotz des drohenden Grexits haben die Leute ihren Stolz und Humor nicht verloren. Sie nehmen die Politiker schon lange nicht mehr erst. Noch funktioniert die Versorgung mit Lebensmitteln und Treibstoff. Erst später sehen wir in grösseren Orten, wie die Leute Schlange stehen, um die tägliche Limite von 60 Euro abzuheben.