07.2015 türkei

Die Einreise in die Türkei verläuft ohne Probleme. Beim ersten Schalter will der Beamte die grüne Versicherungskarte sehen. Anschliessend geht es zur Personenkontrolle. Am Zoll werfen sie nur kurz einen Blick in die Wohnkabine. Die Beamten interessiert es mehr, was so ein Ding neu kostet. Beim letzten Posten wird das Auto im Pass des Halters eingetragen. Alles in allem keine 10 Minuten. Und Gandra hat sich wieder einmal gaaaanz ruhig verhalten.

In Istanbul haben wir 2 Koordinaten von Stellplätzen. Das Navi will uns durch die Unterführung der Eisenbahn durchjagen. Max. Höhe 3,60 m. Auf der Suche nach einer anderen Unterführung landen wir inmitten der Altstadt – keine 200 Meter Luftlinie von der blauen Moschee entfernt. Dann endlich eine Unterführung von 3,80 m. Wir passen so knapp durch. Leider erweisen sich beide Koordinaten an der Kennedy Caddesi als falsch. In der Nähe vom Fähranleger parken wir dann beim Fischerhafen. Dieser Platz ist kostenlos, aber nicht bewacht. Fritz kennt die Istanbuler Altstadt von früher. Er ist in jungen Jahren mit einem Kumpel nach Istanbul getrampt. Damals war die Mauer der Altstadt schon aus der Ferne sichtbar. Also macht sich Rosmarie zu Fuss auf, um die Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Mehrere Taxis halten an auf der Suche nach einer fetten Touristenbeute. Es kommt, wie es kommen muss. Der Taxifahrer macht eine halbe Stadtrundfahrt. Die Ausrede, er umfahre die Staus. Am Schluss veranstaltet er noch extra ein Durcheinander mit den Noten und sagt immer wieder „old money“. Da wird es Rosmarie zu bunt und sie droht mit „Police“. Denn überall ist die Touristenpolizei präsent. Da lenkt der Taxifahrer schnell ein. Um die wichtigsten Gebäude zu finden muss man nur den Chinesengruppen nachlaufen. Für einmal echt praktisch. Aber aufgepasst – die grösste Gefahr lauert von den unzähligen herumschwirrenden Selfie-Sticks. Erst beim Verlassen von Istanbul entdecken wir den neuen Womo-Stellplatz kurz vor der Brücke über den Bosporus.

Wir nehmen die Fähre nach Bursa und auf schmaler Strasse erreichen wir den Uludag Nationalpark. Am Eingang erkundigen wir uns, ob wir im Park campieren dürfen. Wir bekommen eine Broschüre und darauf sind  2 Campingplätze ausgewiesen. Beim ersten Camp ist eine Baustelle und es werden mehrere Holzhütten aufgestellt. Nichtsahnend stellen wir uns auf der gegenüberliegenden Day Use Area bei einem Picknicktisch hin. Den ganzen Tag düsen Touristen mit Quads an uns vorbei. Nachts um halb zwölf bellt Gandra und dann klopft es an unserer Haustüre. Rosmarie öffnet schlaftrunken das Fenster. Zwei Typen von der Parkverwaltung wollen uns in türkischer Sprache weismachen, dass campieren verboten sei. Rosmarie macht ihnen irgendwie klar, dass wir ein „Permit“ haben. Sie rufen einen Vorgesetzten an. Nach einer Weile sagen sie OK und gehen. Am nächsten Tag sehen wir viele Touristenbusse bei den Wintersporthotels. In Bursa findet gerade ein internationaler Folklore-Wettbewerb statt und die Teilnehmer logieren im Nationalpark. Wir beobachten, dass alle an ihren Smartphones herumhantieren. Wir schleichen uns mit unseren Labtops in die Hotellobby und werden von niemandem wahrgenommen. Zu intensiv sind sie mit ihren virtuellen Freunden beschäftigt.

Auf die Kapidag Halbinsel verirren sich selten ausländische Touristen. Wir stellen uns in Ocaklar bei einer Strandbar hin. Zuerst können wir kaum glauben, dass sie WiFi anbieten. Es ist noch Ramadan und viele Familien pikniken vor Sonnenaufgang und dann wieder nach Sonnenuntergang am Strand. Das bekommen wir aber nur im Halbschlaf mit.

Als wir den Ulubey Canyon erreichen, ist gerade Ramadan-Ende. Mit Campieren am Canyon-Rand wird wohl nichts. Die Vorbereitungen für das Fest sind in vollem Gange und rundherum fangen sie an in die Luft zu schiessen. Das gefällt Gandra gar nicht. Wir fahren weiter und biegen in einen Feldweg ein. Bald landen wir in einem kleinen abgeschiedenen Dorf. Die Dorfbewohner staunen und meinen, wir hätten uns verirrt. Sie fragen: Ankara?? Istanbul?? Bodrum?? Irgendwann verstehen sie, dass wir nur einen Nachtplatz suchen. Sie lassen uns dann in Ruhe, als wir etwas entfernt unser Lager aufschlagen.

Wir besuchen noch einige kulturelle Highlights wie Bergama und Sardes. Fritz schiebt immer Gandra vor, damit er die Steinhaufen nicht ansehen muss. Doch die ehemaligen Karanwansereien interessieren ihn dann doch. Obruk Han wird momentan restauriert und ist daher vorübergehend geschlossen. Die Einsturz-Doline dahinter ist sehr beeindruckend. Eine der besterhaltenen Karanwansereien ist Sultanhani. Die mit nicht passenden Backsteinen ergänzte Moschee in der Mitte will nicht so recht ins Bild passen.

Weiter südlich soll es eine bizarre Vulkanlandschaft geben. Als wir den Meke Gölu erblicken, sind wir hin und weg. Ein Krater im Krater und dazu noch einen feuerroten See. Wir campieren am Rande der Caldera und sind ganz alleine. Später schauen wir uns in der Nähe noch den türkisblauen Acigöl – Kratersee an.

Dann erreichen wir die Märchenlandschaft Kappadokien mit Underground Cities, Felsenklöstern und einer atemberaubenden Tuffsteinlandschaft. Auf dem Kaya Camping treffen wir die ersten Overlander. Heidi und Robi sind soeben via Pakistan und Iran in die Türkei eingereist. Von ihnen bekommen wir viele Ideen und wertvolle Tipps. Endlich erhalten wir auch die Referenz-Nummer für unser Iran Visum. Fast 6 Wochen hat es gedauert. Flo und Niko sind als Backpacker unterwegs. Sie wollen ihr Glück beim iranischen Konsulat in Trabzon versuchen. Von ihnen erfahren wir später, dass auch in Trabzon ohne Referenz-Nummer kein Visum mehr ausgestellt wird. Die zwei sind flexibel und reisen weiter nach Tiflis. Von dort fliegen sie in den Iran und bekommen am Flughafen ein 14-Tage-Visum „on arrival“.

Es ist wieder sehr heiss und daher wollen wir noch weiter in die Höhe. Da bietet sich der Pass beim Erciyes Dagi auf 2500 m an. Dort entsteht auf einem erloschenen Vulkan ein Skigebiet mit 150 Pistenkilometern. Wir sind überrascht, wie überall gebaut und investiert wird. Viele türkische Familien suchen die Sommerfrische. Sie wohnen in grossen, selber hergestellten Zelten – zum Teil mit Ofen. Einzelne haben den ganzen Hausrat dabei – inklusive Hühner. Kaum angekommen steckt Gandra ihr Territorium ab. Von der vorbeiziehenden Schafherde kommen 3 Kangals auf uns zugeschossen. Interessanterweise respektieren sie die Markierungslinie. Sie pissen schnell darüber und laufen zu ihrer Herde zurück. Gandra findet die Löcher zu den Erdhörnchen-Höhlen mega interessant. Dass sie dann noch ihr „Parfüm“ bei den Eingängen hinterlässt ist wirklich gemein.