10.2015 iran - emirate

Die Einreise in den Iran geht ziemlich speditiv. Einreisestempel in den Pass, Carnet de Passages abstempeln und Zollkontrolle. Der Zöllner ist so fasziniert von den Verschlüssen an den Schränken und Schubladen. Ein paar Mal fragt er, ob er sie selber öffnen und schliessen dürfe. Wir wechseln noch etwas Geld in einer Wechselstube an der Grenze, damit wir gleich tanken können und Lebensmittel einkaufen. Der erste Tankwart hat zum Glück eine Dieselkarte und so füllen wir unsere Tanks zum Touristenpreis von 6000 Rial (ca. CHF 0.16) pro Liter. Einheimische mit eigener Dieselkarte zahlen 3000 Rial.

Als wir uns der Stadt Tabriz nähern, nimmt der Verkehr enorm zu. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass der Fahrstil der Georgier noch getoppt werden könnte. Die Iraner nützen jede sich bietende Lücke aus. Sie wechseln die Fahrspur ohne zu blinken und gross zu schauen. Acht geben muss immer der Hintere. Die meisten Autos sind deshalb auch auf beiden Seiten von vorne bis hinten verbeult.

Wir parken im El Goli Park und sind erstaunt, wie viele Einheimische im eigenen Land umherreisen. Sie sind mit Auto und Zelt unterwegs. Das Zelt stellen sie einfach auf das Parkfeld daneben, legen eine Decke auf den Boden und beginnen mit dem Kochen. Dann isst die ganze Familie gemütlich und trinkt Tee.

Im Tuffsteindorf Kandovan treffen wir per Zufall wieder auf Perry und Ellen. Am Tag zuvor ist ein Pickup rückwärts in die Motorrad-Garage vom MB1017 gedonnert. Der Fahrer aus dem Ort konnte Perry’s Aufregung nicht verstehen. Es sei doch nur eine Delle und das Auto fahre ja noch.

Gemeinsam fahren wir zum Orumiyeh-See. Die Wasserfläche hat um 80 % abgenommen. Die hier entstandene Umweltkatastrophe wurde durch ineffektive Wasserwirtschaft verursacht. Wir stehen bei einer verlassenen Freizeitanlage. Der Steg führt ins Nichts und die Boote liegen auf dem Trockenen. Sogar die Salzgewinnung wurde aufgegeben.

Beim Takht-e Soleiman – einer Feuertempelanlage auf einem Kalksinterplateau – merken wir, dass es unserer Hündin Gandra plötzlich sehr schlecht geht. Sie ist enorm schwach geworden und kann sich kaum mehr auf den Beinen halten. Wir haben ein schlaues Hunde-Medizinbuch und versuchen herauszufinden, was Gandra fehlt. Auch Ellen hilft uns noch beim Suchen. Leider müssen wir feststellen, dass wir weder mit unserer iranischen SIM-Karte noch unserer CH-SIM-Karte ins Ausland telefonieren können. Auch die deutsche SIM-Karte von Perry und Ellen funktioniert nicht. So können wir auch keinen Tierarzt anrufen. Wir beschliessen, in die nächste grössere Stadt zu fahren und Perry und Ellen wollen eine Höhle besichtigen. Leider kommen wir nicht mehr weit, da Gandra so schwach geworden ist, dass sie nicht einmal mehr die Kraft hat zu trinken. Ein paar Stunden später ist sie in den Armen von Fritz gestorben. Wir sind sehr traurig, dass wir unsere liebe und treue Begleiterin so schnell verloren haben.

In Soltaniye besuchen wir etwas lustlos das Mausoleum mit der höchsten gemauerten Kuppel der Welt. Wie in fast allen grösseren Orten im Iran gibt es auch hier einen Freizeitpark mit Toiletten, Wasser, Spielplatz, Fitness-Geräten und Picknick-Stellen. Wir bunkern aber nur Wasser, denn zum Uebernachten ist es uns zu laut. Wir machen uns auf den Weg zur Düne und dem Salzsee bei Marenjab. Doch nördlich von Kashan beim Einstieg in die Piste ist eine Kette gespannt. Zwei junge Männer wollen für die Durchfahrt 400'000 Rial kassieren (ca. CHF 12). Sie können uns aber nicht erklären wofür und sagen, dass andere Touristen auch schon bezahlt hätten. Als sie mit der Polizei drohen, werden wir noch misstrauischer. Wir fahren weiter und nehmen eine andere Piste in die Wüste.

Isfahan ist wohl die schönste Stadt im Iran. Der grosse Meydan-e Iman (Hauptplatz) hat die Ausmasse von 524 x 160 m. Rundherum stehen beeindruckende Bauwerke und in der Mitte zieht ein grosses Wasserbecken mit Fontänen die Aufmerksamkeit auf sich. Die bequemen Bänke laden direkt zum „people watching“ ein. Wir müssen wieder Geld wechseln. Im Iran macht man das in einer Wechselstube oder bei einem Juwelier. Rosmarie entdeckt einen Laden mit Schweizer Uhren. Der Besitzer führt sie in den Schuhladen von nebenan. Dort werden teure italienische Damenschuhe verkauft. Gerne tauscht der Ladeninhaber die USD in Rial um. Er hätte auch EURO’s genommen.

Als wir die Stadt verlassen, werden wir gleich Zeugen von mehreren Blechschäden. Der Verkehr ist noch dichter als anderswo. Die Fahrer drängeln und schneiden sich gegenseitig die Fahrbahn ab. Dann werden auch wir von einem blauen Pickup seitlich touchiert. Natürlich macht sich der fehlbare Lenker sofort aus dem Staub. Zum Glück hat er nur unsere massive Stossstange erwischt. Die paar Kratzer können wir leicht verschmerzen. Manchmal staunen wir, dass nicht noch mehr passiert.

Auf einem kleinen Markt am Strassenrand kaufen wir Obst und Gemüse ein. Der Verkäufer möchte wissen, woher wir kommen. Switzerland! Stirnrunzeln. Rosmarie soll ihm ein paar Fussballer aufzählen, damit er das Land einordnen könne. Jetzt rächen sich 15 Jahre Fernsehabstinenz und generelles Desinteresse für Fussball. Rosmarie fällt nur der FIFA-König Blatter ein. Mit dem möchte sie auf keinen Fall in Zusammenhang gebracht werden. Und Köbi Kuhn wird der wohl auch nicht kennen. Also greift sie wieder einmal zur Notlüge und sagt: Almani. Schliesslich sind wir ja Deutsch sprechend ;-)). Die Augen des Händlers leuchten. Oh, Mercedes Benz! Und er kann auch einige Fussball-Spieler aufzählen. Rosmarie sagt natürlich nur der Name „Schweini“ etwas.

Als wir uns wieder einmal in der Pampa häuslich niederlassen, hält ein Auto neben uns mit einem Ehepaar aus dem nahen Dorf. Sie bedeuten uns, dass wir zu ihnen nach Hause kommen sollen. Wir lehnen ab. Sie nehmen es fast mit Erleichterung auf. Die Frau sieht, dass Rosmarie keinen Schmuck trägt. Sie will ihr unbedingt einen ihrer Ringe schenken. Rosmarie lehnt zwei Mal entschieden ab. Dann gibt die Frau auf. Wir haben uns natürlich im Vorfeld über das Ta’aroof („Höflichkeitsritual“) etwas informiert. Einladungen werden traditionell oft nur aus Höflichkeit ausgesprochen. Erst nach dreimaligem Ablehnen weiss man sicher, ob es wirklich ernst gemeint war. Wenn zum Beispiel ein Taxi-Fahrer oder ein Fremdenführer einem Ausländer sagen, es koste nichts, denn er sei Gast im Iran, dann sagen sie das nur aus Höflichkeit. Sie erwarten trotzdem eine angemessene Bezahlung.

Um etwas innere Ruhe zu finden, wollen wir in die Kavir-Wüste fahren. Auf dem Weg dorthin sehen wir noch einen Tanklaster, der sich im Sand festgefahren hat. Fritz zieht ihn raus. Leider ist eine Verständigung mit den Fahrern nicht möglich, da sie nur Farsi sprechen. Von Jandaq führt eine kaum befahrene Piste in die Oase Farahzad. Rosmarie wagt sich wieder einmal ans Steuer. Wir kreuzen nur ein Moped. Der Fahrer muss sich wegen unserer Staubfahne voll auf die Fahrbahn konzentrieren. Seinem Beifahrer fällt die Kinnlade herunter, als er eine Frau am Steuer eines Lasters sieht. Er schaut und schaut, dann zieht er seine Sonnenbrille ab und traut seinen Augen immer noch nicht. Er glaubt bestimmt an eine Fata Morgana. In den Dünen hinter der Oase können wir etwas abschalten. Am Wochenende wird die Ruhe nur durch ein paar Quad-Fahrer gestört.

Yazd – die Lehmstadt mit den Windtürmen – hat uns sehr gut gefallen. Als Rosmarie alleine in der Altstadt unterwegs ist, wollen sie ein paar Frauen unbedingt mit nach Hause nehmen. Sie sprechen kein Englisch. Irgendwie kann ihnen Rosmarie klar machen, dass ihr Ehemann auf sie wartet. Dann lassen sie Rosmarie endlich ziehen.

Die Vorbereitungen für das Ashura-Fest laufen im ganzen Lande auf Hochtouren. Alle Gebäude sind schwarz beflaggt. In der Nacht singen in den Moscheen die Imame stundenlang Trauerlieder. Einige davon sind wirklich verhinderte Opernsänger. Am Trauertag laufen fast alle Iraner in schwarzer Bekleidung herum. In den Dörfern wird zu Musik aus Lautsprechern getrommelt. Es finden auch Passionsspiele statt, wo die Ermordung des Imam Hossein nachgestellt wird. Wegen einer Prozession müssen wir am Stadtrand warten. Der Polizist sagt: Country? Switzerland. Er fragt scheu nach: Irland? Dann holt er einen Studenten, der gut Englisch spricht. Dieser erklärt uns, dass wir noch 10 Minuten warten müssten. Auch er will wissen, woher wir kommen. Fritz zeigt ihm auf der Weltkarte unser Land. Mit Erstaunen sagt der junge Mann: Your country is very small. Iran is very big!

Wir machen noch einen Abstecher zu den Kalouts in der Wüste Lut. Dann fahren wir von Kerman Richtung Bandar Abbas. Im Büro von Valfajr kaufen wir unsere Tickets für die Ueberfahrt in die Emirate. Am nächsten Tag müssen wir um 8 Uhr im Hafen sein. Bei der ersten Station sprechen sie nur Farsi. Wir verstehen nur Bahnhof. Einer zückt sein Mobile und am anderen Ende ist einer, der etwas Englisch versteht. Nach seinen Erklärungen sind wir auch nicht schlauer. Plötzlich kommt ein „Grenzhelfer“, der ein wenig Englisch spricht. Er führt uns zu Siegfried, einem 72-jährigen Deutschen, der mit einem Mercedes G unterwegs ist. Siegfried hat Mr. Siroos engagiert und wir können uns „anhängen“. Mr. Siroos erledigt für Siegfried und uns den ganzen Papierkram in 2 Stunden. Dann heisst es für uns von 10 Uhr morgens bis 10 Uhr abends im Hafengebäude herumhängen. Während der Ueberfahrt schlafen wir im Auto. Als wir im Hafen von Sharjah ausgeschifft haben, werden wir in einem Bus zur Immigration gefahren. Die Touristen werden zuerst aufgerufen und die Gastarbeiter müssen warten. Im Zollgebäude werden wir von einem Schalter zum nächsten geschickt. Zuerst die Papiere an einem Schalter zeigen und dann bekommt man einen Zettel mit einer Summe x und muss das beim Cashier gleich nebenan bezahlen. Dann kommt der nächste Schalter und wieder der Cashier daneben. Und das gleich mehrere Male hintereinander. Es läuft nicht sehr speditiv. Einer arbeitet, zwei schauen zu und zwei hantieren an ihren Smartphones herum. Dann wieder zurück zum Agenten und schliesslich zu einem Inder für den Gate Pass. Nach 5 ½ Stunden können wir den Hafen verlassen.

Wir wollen zusammen mit Siegfried zur Jumeira Beach fahren. Wegen einer Grossbaustelle müssen wir einen Umweg machen. Langsam haben wir Hunger und sichten einen indischen Takeaway. Der Parkplatz vor einem baufälligen Haus bietet sich gleich als Stellplatz für die Nacht an. Wir schlafen schon, als wir einen Krankenwagen mit Blaulicht neben Siegfried’s Auto sehen. Ein besorgter Anwohner hat die Polizei angerufen. Es stünden da so exotische Autos mit komischen Nummernschildern. Die Streife sieht Siegfried im Mercedes G schlafen und sie meinen, es gehe ihm nicht gut. Sie rufen den Notarzt. Der chinesische Arzt untersucht Siegfried genau und der indische Rettungssanitäter muss ihm dabei assistieren. Es braucht unsererseits einige Ueberredungskunst, dass der Chinese Siegfried nicht ins Krankenhaus mitnimmt. Der pakistanische Ambulanz-Fahrer kann sich nicht erholen und sagt immer wieder: Wie kommt ihr bloss auf die Idee, auf einem Privatgrundstück zu parken? Dann kommt die Polizei, heisst uns in den Emiraten herzlich willkommen und entschuldigt sich für die Aufregung. Sie geben uns den Tipp, wir sollten zur Jumeira Beach fahren. Dort könnten wir hinter der Sunset Mall stehen. Am Morgen begrüsst uns schon eine deutsche Joggerin. Sie hat viele Jahre in der Schweiz gelebt. Dann wurde ihr Ehemann vom Arbeitgeber nach Dubai versetzt. Obwohl sie schon fünf Jahre in den Emiraten leben, hat die ganze Familie immer noch Heimweh nach der Schweiz. Nach ein paar Tagen haben wir es gesehen. Eine riesige Stadt mit ihren Konsumtempeln ist nicht mehr unsere Welt. Wir sehnen uns wieder nach mehr Natur und machen uns auf den Weg in den Oman.