11.2015 oman

Nachdem wir uns durch den Grossstadt-Dschungel von Al Ain gekämpft haben, ist die Ausreise aus den Emiraten schnell erledigt. Auch die Einreise in den Oman haben wir in kurzer Zeit hinter uns. In Ibri kaufen wir noch Lebensmittel und eine Omantel-SIM-Karte. Unser erstes Ziel ist das Wadi Damm. Es ist noch ein sehr ursprüngliches Tal mit natürlichen Pools. Durch spezielle Wasserkanäle (Falaj) wird der Palmenhain bewässert. Am Abend kommt noch eine Grossfamilie von einer Wanderung zurück. Wir denken noch - Europäer mit vier Kindern - das können nur Franzosen sein. Und tatsächlich, es ist eine französische Familie, die in Katar wohnt und arbeitet.

Siegfried hat uns in den Oman begleitet. Die Emirate und der Oman waren nicht das eigentliche Ziel seiner Reise. Aber ihm wurde das pakistanische Visum verweigert. Da er das iranische Visum schon in der Tasche hatte, so ist er eben in die Emirate gereist und mit uns kurzentschlossen in den Oman.

Im Wadi Ghul füllen wir bei einer Moschee noch unsere Wassertanks auf und dann geht es auf einer sehr steilen Strasse zum Jebel Shams hinauf. Plötzlich dampft es aus der Motorhaube von Siegfried’s Mercedes G. Der Kühlerschlauch hat einen Riss bekommen. Sofort bieten Einheimische ihre Hilfe an. Der Schlauch muss gekürzt und neu montiert werden. Dann können wir die Fahrt fortsetzen und stehen schon bald am Rande einer 1000 m tiefen Schlucht - dem „Grand Canyon“ Omans. Auf dem Hochplateau ist die Temperatur deutlich angenehmer. Am nächsten Morgen hat Siegfried auch noch einen Plattfuss zu beklagen. Nach ein paar Tagen verabschieden wir uns von Siegfried. Er macht noch einen Abstecher nach Muskat und Abu Dhabi. Dann wird er sich auf den langen Heimweg begeben – ohne Navi und ohne Kompass!

Wir besuchen das sehenswerte Fort und den Souk in Nizwa. Im Lebensmittelsouk bieten nur wenige Händler ihre Waren an. Umso mehr wird ausserhalb in Souvenir-Läden viel Kitsch verkauft.

Von Nizwa führt eine fast 1000 km lange Teerstrasse durch die Wüste bis Salalah. Die Strasse ist in einem sehr guten Zustand und es herrscht wenig Verkehr. Meistens sind es LKW’s, die Waren in den Süden transportieren. Alle paar 100 km passiert man ein Resthouse mit Tankstelle oder eine kleinere Oase. Viele würden diese Strecke als eintönig bezeichnen. Als Wüstenfans sind wir davon geradezu fasziniert. Einzig die UNESCO-Welterbestätte Shisr hat uns enttäuscht. Man sieht nicht viel und es gibt auch wenig Erklärungen dazu. Es soll einst ein bedeutender Ort an der Weihrauchstrasse gewesen sein.

An der Abbruchkante des Wadi Ayoun gefällt es uns so gut, dass wir länger als geplant bleiben. Am zweiten Tag kommt der Shaikh (Dorfchef) mit einem Begleiter, der sehr gut Englisch spricht. Sie wollen wissen, ob wir ein Problem hätten und was wir hier machen. Nachdem sie festgestellt haben, dass wir harmlose Touristen sind, wünschen sie uns noch einen schönen Aufenthalt.

Bald sind wir in Salalah und machen einen Grosseinkauf beim Lulu-Hipermarket. Wir finden alles – ausser feinem Käse. Die meisten Käsesorten sind mit „vegetable oil“ und irgendwelchen undefinierbaren Zutaten versetzt. Unsere Hoffnung müssen wir auch im Carrefour begraben. Sie haben nicht einmal französischen Käse im Angebot.

Der Strand östlich von Salalah ist kilometerlang und wir stehen dort völlig einsam. Nur am Freitagabend, da fährt halb Salalah mit dem Auto ans Meer. Hauptsache sehen und gesehen werden. Das Schauspiel dauert genau von 16.30 – 18.30 h. Dann sind alle weg und wir wieder alleine. Wunderschöne Strandspaziergänge, super Internetempfang und die Läden in der Nähe könnten einen dazu verführen, hier Wurzeln zu schlagen.

Wir fahren Richtung jemenitische Grenze und wollen die spektakuläre Bergstrecke über den Jebel al-Qamar befahren. Unglaubliche Felsschluchten wurden in das Gebirge gesprengt und die Höhenunterschiede mit vielen Haarnadelkurven überwunden. Strassen bauen können die Omanis wirklich sehr gut. Im ganzen Land wurden viele Strecken geteert. Ein Segen für die Einheimischen. Für Offroad-Fahren bleibt da nicht mehr viel übrig – ausser in der Wüste und für die Stellplatz-Suche.

Zurück in Salalah möchten wir unser Oman-Visum verlängern. Wir fahren zum Flughafen. Dort erklärt man uns, dass wir zum Royal Oman Police Headquarter neben der Dhofar Universität fahren müssten. Bei der Visa-Stelle sehen wir die vielen Gastarbeiter mit ihren Pässen. Wir befürchten schon eine mehrstündige Wartezeit. Da führt uns ein Einheimischer in ein Büro in einem Seitengang. Ein Polizist erklärt uns, dass es im Hof professionelle Schreibbüros gebe. Dort würde man uns ein standardisiertes Bittschreiben erstellen und mit dem müssten wir nachher ins Büro nebenan gehen. Mit den Bittschreiben und den Pässen warten wir mit sieben anderen Personen, bis der zuständige Beamte kommt. Zum Glück ruft er Rosmarie als erstes auf und unterzeichnet unsere Bittschreiben. Dann müssen wir nur noch an einem Schalter die Gebühr von 40 RO (ca. CHF 100) für beide bezahlen. Jetzt können wir zwei volle Monate im Oman bleiben. Nachdem das geschafft ist, fahren wir wieder an unseren Lieblingsstrand im Osten der Stadt.

Dann erkunden wir das Wadi Darbat. Auf dem Rückweg stellen wir uns auf einen wunderschönen Platz mit Aussicht auf den ehemaligen Weihrauchhafen Samhuram. Am Abend spricht uns ein Omani an und will wissen, wie wir bloss diesen Platz gefunden hätten. Es sei sein absoluter Lieblingsplatz.

Auf der OSM-Karte sehen wir, dass es möglich wäre, von Mirbat der Küste entlang bis nach Sadah zu gelangen. Die Strecke ist sehr abenteuerlich. Wir fahren immer wieder durch Wadis und dann geht es über steile und schmale Pisten ins nächste Wadi. Viele Stichstrassen führen an wunderschöne einsame Buchten. Ein paar Mal treffen wir auf Hirten mit Kamelherden. Die möchten wissen, wohin wir denn wollten und ob alles in Ordnung sei mit uns. Sie denken wohl, welcher normale Mensch wählt freiwillig so eine Strecke, wenn es eine gute Teerstrasse aussen herum gibt. Die Navigatorin hat es schon bald bereut, dass sie den Fahrer auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht hat. Rosmarie’s Nerven waren etwas strapaziert. Für Fritz war der Spass-Faktor fast grenzenlos. Er sagt immer wieder: Nur die Power bringt es auf die Dauer ;-)

Der nächste wunderbare Ort ist das Wadi Shuwaymiyah. Von der Ortschaft an der Küste führt eine 20 km lange Piste durch ein schneeweisses Tal mit Palmen.

In Shalim machen wir kurz Pause und kaufen ein Paar Sachen ein. Da klopft der erste Overlander, den wir im Oman treffen, an unsere Tür. Es ist ein Australier – unterwegs mit einem Toyota Hiace. Er sagt Hallo. Rosmarie fragt sofort nach dem Woher und Wohin. Da antwortet der junge Mann, er wollte eigentlich nur Hallo sagen und möchte jetzt im Restaurant etwas essen. Wir wollten auch gleich etwas essen, aber die ungewöhnliche Reaktion hat Rosmarie so aus dem Konzept gebracht, dass sie gar nicht daran dachte, ihn bei uns einzuladen.

Dann setzen wir unsere Reise der Küste entlang fort. Wir campieren bei den Pink Lagoons unter Akazien. Als in der Nacht der Wind dreht, erinnert uns der Geruch eher an eine Kloake als an eine farbige Lagune. Viel schöner und romantischer ist die 3-Palmen-Lagune mit den Flamingos und davor der lange weisse Sandstrand.