12.2015 oman - emirate

Von der 3-Palmen-Lagune fahren wir der Küste entlang bis nach Sur. Dort besichtigen wir die Dhau-Werft. Während Fritz fotografiert, versorgt Rosmarie 7 herrenlose Welpen mit Hundefutter und Wasser. Sonst ernähren die sich von Fischabfällen und Müll.

Wir zweigen ins Landesinnere ab. Bei Al-Mintirib nehmen wir die „Dünenautobahn“ durch die Wahiba-Sands. Die Dünentäler verlaufen exakt von Nord nach Süd und so ist die Orientierung sehr einfach. Ein paar Mal halten Einheimische an und meinen, mit so einem grossen Truck sei es schwierig bis ans südliche Ende der Wüste zu gelangen. Aber Fritz vertraut auf seine Sanderfahrung und die Kraft des MAN’s. Wir kommen immer wieder an Kamelfarmen vorbei. Einmal sehen wir ein Baby-Camel, das erst einige Stunden alt ist und noch sehr wackelig auf den Beinen steht. Nach 200 km ist der Spass leider schon vorbei und wir fahren wieder zurück.

In Ibra ist der spezielle Frauenmarkt bei unserem Eintreffen gerade fertig. Auf der Suche nach Trink-Wasser landen wir unvorhergesehen im Wadi Na’an. Am Ende des Wadis in Ash-Shariq entscheiden wir spontan, über das Hajar-Gebirge wieder an die Küste nach Fins zu fahren. Ein Einheimischer erklärt uns, dass die Breite und die Höhe für unseren Truck kein Problem wären. Die Piste verlaufe aber sehr steil und sei ohne 4x4 unmöglich zu meistern. Das macht uns zuversichtlich. Und er hat nicht übertrieben. Es ist wirklich die steilste Piste, die wir je gefahren sind. Der Dieselverbrauch steigt zeitweise auf sagenhafte 163,7 Liter / 100 km. Entgegenkommende Omanis mit ihren unverwüstlichen Toyota-Pickups lachen und heben den Daumen hoch. Auf 1800 m kommen wir zu „Bienenkorbgräbern“, die noch gut erhalten sind. Dann endlich erreichen wir die Passhöhe und müssen durch einen engen Canyon hinunter fahren. Als wir das Bergdorf Qurran erreichen, kommen etwa 12 Männer aus der Moschee gerannt. Hoffentlich haben wir nicht ihr Gebet unterbrochen. Im Ort gabelt sich der Weg und wir fragen, welches die bessere Strecke nach Fins sei. Sie bedeuten uns, dass wir die rechte Piste wählen sollten. Wir klettern wieder in die Höhe und übernachten vor dem nächsten Dorf am Rand einer tiefen Schlucht. Heute haben wir den ganzen Tag sage und schreibe 16 km geschafft. Wir fahren weiter über das Salmah Plateau und dann erwartet den Fahrer eine neue Herausforderung. Die Strasse ist über ein grosses Stück in den Fels gehauen und in sehr engen Kehren müssen 1200 Höhenmeter vernichtet werden. Das konnte Fritz schon einmal in der Türkei üben ;-)). Auch heute bringen wir es nur auf 18 km. Bei Fins stellen wir uns an den Strand. In der Nacht sehen wir zum ersten Mal „fluoreszierende“ Wellen. Ein unglaubliches Erlebnis. Fast so ergreifend wie die Polarlichter. Das nächste Wadi lässt nicht lange auf sich warten. Das noch ursprüngliche und wasserführende Wadi Arbyyad ist von hohen senkrechten Wänden umgeben. Wir fahren weiter ins Wadi Dhayqah. Dort bestaunen wir die neue Staumauer. Im Stausee wird das Wasser von über 100 Wadis gesammelt und dient als Trinkwasserspeicher für die Stadt Muscat. Wir durchfahren noch einige weitere Wadis. Im Wadi Sahtan wird eine neue Strasse gebaut. Wir staunen, als wir beim Einstieg ins Wadi einen indischen Bautrupp sehen. Die Ingenieure, alle Arbeiter, Maschinen und Trucks wurden aus Indien hierher verfrachtet. Drei Brückenpfeiler stehen schon. Nun müssen noch die 50 Meter langen und 120 Tonnen schweren Querträger auf die Pfeiler gehievt werden. Kein Problem für den Kran, der kann leicht 300 t heben. Der LKW – ein Mercedes mit Spezialauflieger: 50 Meter lang, 23 Achsen (jede einzeln steuerbar) – insgesamt 184 Reifen!! – hat den vorgefertigten Querträger zur Baustelle gefahren. Die indischen Arbeitsteams sind total eingespielt und arbeiten wie ein Schweizer Uhrwerk. Fritz ist kaum zu halten. Er findet es einfach gigantisch. Ein indischer Ingenieur erklärt ihm den ganzen Ablauf. Der möchte dann auch unsere Wohnung besichtigen. Sie gefällt ihm. Einziger Mangel: kein TV!

Manchmal haben wir das Gefühl, wir seien in Indien. Schneidereien, Wäschereien, Werkstätten, kleine Lebensmittelgeschäfte werden von Indern geführt.

Am nächsten Tag nehmen wir ein Quertal, das zum Wadi Bani Awf führt. Dieses Tal ist so eng, dass der MAN so knapp durchpasst. Als das Tal endlich etwas breiter wird, hängen zur Krönung die Aeste so tief, dass wir mit der Motorsäge nachhelfen müssen. Beim berühmten Wegweiser im Wadi Bani Awf kommt Fritz auf die wahnsinnige Idee, via Hatt auf den Jebel Akhdar zu fahren. Diese Piste ist nun nicht wegen der von Geländewagenfahrern angedrohten Steilheit ein Problem, sondern wegen der Breite. Nach 7 Stunden erreichen wir die Passhöhe auf 2000 m, wo wir auch übernachten. In der Nacht wird es empfindlich kalt.

Zurück an der Küste campen wir ausserhalb von Sohar in einer Bullenkampfarena, ohne dass wir es bemerkt hätten. Die Kämpfe finden jeden zweiten Freitag statt. Täglich werden die Stiere in der Nähe der unscheinbaren „Sandarena“ Gassi geführt. Und das Festzelt steht mitten auf der Strasse. Es scheint niemanden zu stören. Am Morgen kommt noch die Polizei. Einer der Polizisten steigt aus und empfiehlt uns, an den Strand beim Sohar Hotel zu fahren. Dort sei es viel schöner als hier. Fritz sagt dem jungen Mann, dass der Oman doch überall super sei. Dann machen die zwei „give me five“.

Heute ist Donnerstag, der 24. Dezember, und wir wollen noch über die Grenze und in die Emirate einreisen. Fast hätten wir die omanische Immigration verpasst. Wir brauchen unbedingt den Ausreisestempel, damit wir bei einer allfälligen Wiedereinreise keine Probleme bekommen. Das ganze Immigration-Gebäude ist voller Gastarbeiter, die ihre Working-Visa erneuern wollen.

Bei der Einreise in die Emirate sieht es noch schlimmer aus. Ein Gastarbeiter sagt uns, dass wir den schlechtesten Tag im Jahr erwischt hätten. Heute sei ein Feiertag und viele würden das verlängerte Wochenende für einen Visa-Run benützen. Wir warten ungeduldig in einer langen Schlange. Dann kommen zwei Engländerinnen und rufen den einen Beamten beim Vornamen und sagen, sie wollten nur ihre Driving License erneuern. Die zwei bekommen ihre Ausweise sofort. Rosmarie findet, was die können, das kann ich auch. Sie ruft durch die Menge zu dem netten Officer, dass wir nur Touristen-Visa möchten. Er nimmt unsere Pässe entgegen und führt uns ins Versicherungsbüro. Dort müssen wir eine Haftpflichtversicherung für den MAN abschliessen. Erst dann händigt uns der Immigration Officer die gestempelten Pässe aus. Der Zöllner kontrolliert nur kurz die Wohnkabine. Dann sind wir wieder in den Emiraten. In Fujairah gibt es beim Beach Hotel einen Alkohol-Laden. Nach 3 Monaten Abstinenz haben wir Lust, wenigstens an Weihnachten ein Glas Wein zu trinken. Der Laden öffnet wegen dem Feiertag aber erst um 6 Uhr abends. Um diese Zeit ist es schon dunkel und dann noch einen Uebernachtungsplatz zu suchen, macht einfach keinen Spass. Und für die „Nicht-Einheimischen“ gilt strikt die 0 Promille-Grenze. Also richten wir uns etwas abseits unter Bäumen ein. Es ist das erste Mal, dass wir vor einem Alk-Laden Weihnachten feiern werden. Als das unscheinbare Gate geöffnet wird, beginnt der Run auf das Geschäft. Es sind meist Gastarbeiter, die sich ein paar Dosen Bier kaufen. Die „Locals“ lassen sich im Taxi hinbringen, kaufen ein, drängen die Gastarbeiter zur Seite und gehen einfach an der Schlange vorbei zur Kasse.

Am nächsten Tag sind wir am Strand von Dibba. Es ist Freitag und viele Familien verbringen den Tag am Meer mit picknicken. Anschliessend lassen sie den ganzen Müll liegen und schiessen die „gebrauchten“ Baby-Windeln unter unser Womo. Später sehen wir dann die indischen Gastarbeiter, die den Abfall einsammeln müssen.

Durch das riesige Wüstengebiet im Landesinneren der Emirate fahren wir nach Dubai an die Sufouh Beach. Die bunte Overlander-Gemeinde an diesem öffentlichen Strand ist inzwischen auf 12 Fahrzeuge angewachsen. Um Mitternacht stossen wir auf das neue Jahr an und bestaunen das grossartige Feuerwerk beim Burj al Arab.