vereinigte arabische emirate  01.2016

Am 1. Januar herrscht an der Al Sufouh Beach Katerstimmung nach der ausgedehnten Overlander-Silvester-Party. Einige Gesichter tauchen erst gar nicht auf. Dann kommt am nächsten Tag der grosse Abschied. Die meisten reisen weiter in den Oman. Wir fahren mit Ellen und Perry in die Liwa-Oasen im Emirat Abu Dhabi. Von Liwa aus führt eine 30 km lange Teerstrasse mitten durch die Dünen der Rub al Khali und das nur, damit die Locals schnell ihren „Sand-Spielplatz“ erreichen können. Das Liwa-Festival wirbt mit „9 days of adrenalin-pumping exitement“. Da sind wir mal gespannt. Viele Familien-Clans haben richtige Zeltstädte aufgebaut und auch die Bediensteten sind dabei. Wir werden viel angesprochen und eingeladen. So oft, dass wir gar nicht mehr wissen, wo all die Camps überhaupt stehen. Es freut sie ungemein, dass wir hier sind. Entweder besitzen sie eine Wohnung in München oder ein Haus in der Schweiz.

Es ist gar nicht so einfach - ja fast unmöglich - einen ruhigen Platz für die Nacht zu finden. Bis in die frühen Morgenstunden rasen sie mit ihren hochmotorisierten Buggys die Moreeb Dune (Dune of Fear) hinauf und hinunter.  

Als erstens sehen wir uns den Falken Race an. Bei diesem Wettbewerb sind die Unterschiede deutlich sichtbar. Die einen Raubvögel fliegen knapp über dem Boden zu ihrer Beute hin. Daher sind sie viel schneller als ihre hochfliegenden Mitstreiter.

Bei den Kamel-Rennen übernehmen jetzt Roboter die Aufgabe der einstigen Kinder-Jockeys. Kaum sind die Kamele gestartet, sausen auch die Besitzer mit ihren Boliden der Rennbahn entlang und feuern ihre Lieblinge an. Es soll hier um viel Geld gehen. Jeden Tag gibt es Kräfte messen mit hochmotorisierten Autos, Dünenbuggys, Motorrädern. Ein paar Rennen verpassen wir, weil die arabische Zeitangabe nicht mit dem europäischen Zeitbegriff übereinstimmt.

Ja und Geld spielt offenbar wirklich keine Rolle. Wenn einer ein „Spielzeug“ will, dann nimmt er kurzerhand sein Smartphone in die Hand. Der Tieflader bringt dann das Gewünschte sofort. Das erklärt auch, warum wir mitten im Nirgendwo super Telefon/Internet-Empfang haben.

Nach einer Woche Fun mit ohrenbetäubendem Motorenlärm möchten wir die Rub al Khali (leeres Viertel) weiter erkunden. Die atemberaubende Wüsten-Strecke mit hohen Dünen in allen Farbvariationen führt entlang der saudischen und omanischen Grenze.

 

Zurück in Dubai wollen wir einen Jahresservice beim MAN machen lassen. In den Emiraten gibt es keine fixen Adressen. Die Bewohner und Firmen haben eine Postfach-Adresse als Anschrift und das kann irgendwo sein. Beim MAN-Stützpunkt steht als Firmenstandort einfach nur „near Ramla Mall“. Zum Glück finden wir im Navi die Ramla Mall und fahren dorthin. Wir kurven ein bisschen herum und halten im unübersichtlichen Industriegebiet Ausschau. Dann wird es uns zu bunt. Wir rufen die MAN-Garage an und bitten sie, uns bei der Ramla Mall abzuholen. Die Inder sind sehr freundlich. Nach ein paar Stunden ist der Service gemacht und der MAN erstrahlt wieder vor Sauberkeit.

 

In den 60er-Jahren standen in Dubai nur ein paar Fischerhütten am Strand. Dann wurde in den VAE Oel entdeckt. Viel Geld floss und das sollte angelegt werden. Also wurden Hochhäuser, Shopping Malls und ganze Wohnsiedlungen aus dem Wüstenboden gestampft. Das war möglich dank dem Überangebot an billigsten Arbeitskräften aus Indien, Pakistan, Bangladesch, Indonesien usw. Auch heute noch verdienen Bauarbeiter nur 15 USD pro Tag, 10 USD schicken sie nach Hause, 4 USD zahlen sie für die Massenunterkunft und 1 USD muss zum Leben reichen. Einzig die Expats können in den Emiraten gutes Geld verdienen. Das sind hochqualifizierte Arbeitskräfte, die von internationalen Firmen in die Emirate entsandt wurden.

Bei der Verkehrsplanung waren die VAE nicht so weitsichtig. In Dubai herrscht jeden Tag Stau ohne Ende. Für eine Strecke von gerade mal 15 km braucht man locker eine Stunde. Der öffentliche Verkehr steckt noch in den Kinderschuhen. Das Ticketsystem ist so kompliziert aufgebaut, dass keiner richtig durchblickt. Zum Glück hat es bei jeder Haltestelle Personal, welches den Leuten beim Fahrkartenkauf behilflich ist. Zudem sind immer mehrere Security-Leute anwesend. Kein Problem, die Angestellten kosten ja fast nichts.

 

Wer etwas für sein Fahrzeug braucht, der fährt zur Dragon Mall oder zum Dragon Mart ausserhalb der Stadt. Unendlich ist die Auswahl von guter Qualität bis hin zu billigem China-Schrott.

 

Am „Wochenende“ (Donnerstagabend, Freitag) fahren wir in die Wüste zum Fossil Rock, um Perry’s 60. Geburtstag zu feiern. Auch Stefan, ein Expat aus Deutschland, kommt mit seinem Mercedes G und 2 Motorrädern vorbei. Die Jungs brettern mit den Töffs in den Dünen herum. Und wer will, darf mit Stefan im G einmal eine berauschende „Sand-Achterbahn-Fahrt“ erleben. Fritz lässt auch Chris seinen 6x6 ausprobieren. Als Dünenneuling lernt er gleich das ganze Programm kennen - inklusive Sandbleche legen.

Da die Wochendend-Plätze von den Einheimischen bekannt sind, kommt dann die Müllabfuhr sogar in der Wüste vorbei.

 

Die Al Sufouh Beach ist wie eine Oase im Grossstadt-Dschungel von Dubai. Nur noch 3 Overlander-Fahrzeuge sind geblieben. Die Polizei schaut täglich mehrmals vorbei. Nur einmal hat eine Streife reklamiert, als die Münchner ihre Wäsche nachts draussen aufgehängt haben. Wahrscheinlich war Unterwäsche dabei ;-))

Darum fahren wir zum Wäsche waschen in die Wüste und campen anschliessend bei den künstlichen Seen. Für unser Empfinden ist die begrünte – von Menschenhand geschaffene – Süsswasser-Seen-Landschaft im Wüstensand riesig. Und sie wird weiter vergrössert. In Dubai muss jeder Tropfen Trinkwasser mit viel Energie entsalzt werden. Neben der Entsalzungsanlage hat es auch gleich eine Power Plant. Es erstaunt daher nicht, dass die Emirate weltweit den höchsten Energie- und Wasserverbrauch aufweisen.