emirate - musandam  02.2016

Dank neuen Visabestimmungen können wir jetzt 3 Monate (innerhalb von 6 Monaten) in den Emiraten verweilen. Zuerst haben wir uns gefragt, was machen all die anderen Overlander die ganze Zeit beim Al Sufouh Beach in Dubai. Zu unserer grossen Ueberraschung treffen wir dort Maryse und Albert, die wir vor 4 Jahren auf der Baja California kennengelernt haben. Vor ihrem Heimaturlaub bringen sie uns noch viele Delikatessen vorbei. Es wäre zu schade, wenn diese in der Zwischenzeit verderben würden. Und wir werden nochmals mit Essen verwöhnt. Eine in Dubai lebende kroatische Familie hat einen Party-Service mit 2 nepalesischen Köchen engagiert. Sofas, Stühle und Tische werden am Strand installiert und Unmengen von Spezial-Gerichten für 4 Erwachsene und ein Kleinkind bereitgestellt. Die Grossmutter möchte nicht, dass nach dem „Event“ alles weggeschmissen wird. Sie hat vermutlich auch schon andere Zeiten erlebt und bietet die übriggebliebenen Speisen der europäischen Traveller-Gemeinde an. Die köstlichen „Reste“ (diverse Fleisch- und Fischgerichte, Salate, Nachtisch, Getränke) reichen mehr als zwei Tage und das für 11 Erwachsene und 9 Kinder.

Dann reisen wir nach Musandam – einer omanischen Enklave im Norden der arabischen Halbinsel. Es ist Freitag und wir haben wieder einmal vergessen, dass die Expats am Freitag und am Samstag nicht arbeiten. Und einige davon sind auch auf die Idee gekommen, das Wochenende in Musandam zu verbringen. Wir warten im Auto bis der grösste Ansturm an der Grenze vorbei ist. Die erste Nacht verbringen wir an der Bassa Beach vor Khasab. Dann geht es über eine steile Piste zum Khor Najd. Der Blick von oben auf den tief eingeschnitten Fjord ist atemberaubend. Nur erwartet uns leider unten am Wasser eine „Müllhalde“. So bleiben wir nur eine Nacht. Auf einer schmalen Piste fahren wir durch die Berge bis ins Wadi Bih. Dort ist dann Schluss. Nur die Einheimischen dürfen diesen Grenzposten passieren. Wir müssen die gleiche Strecke wieder zurückfahren. Unglaublich, dass sich in dieser unwirtlichen Gegend Menschen angesiedelt haben. Jede noch so kleine Möglichkeit wird ausgenützt, um einen Garten anzulegen oder ein Feld zu bewirtschaften.

Wir sind wieder an der Al Sufouh Beach in Dubai und erfahren, dass Audrey und Cristian einen „Homeschooling – Unschooling – Roadschooling“ Event organisiert haben. Die französisch-rumänische Familie lebt seit Jahren im selbst ausgebauten Wohnmobil und unterrichtet ihre Kinder selber nach dem Homeschooling Lehrplan vom französischen Staat. Catherine und Olivier – sie Schweizerin, er Franzose - sind mit ihren 3 Kindern für ein Jahr im Iveco-Wohnmobil unterwegs. Jeden Morgen ist von 9 – 12 „l’heure de l’école“. Auch sie schulen ihre Kinder nach dem French Curriculum. Man kann wählen, ob der Unterricht per Internet oder mit Büchern stattfinden soll. Am Ende des Schuljahres müssen die Kinder eine Prüfung absolvieren. Obwohl viel Raum für eigene Interessen besteht, ist das Ganze weit entfernt von „Summerhill“.

Wir sind überrascht, wie viele Expat-Familien dem Aufruf auf Facebook gefolgt sind und sich über Homeschooling informieren wollen. Ein paar Teilnehmer sind mit den Schulen in Dubai nicht zufrieden. Sie bedauern auch, dass sie täglich so viel Zeit für den Schulweg auf den verstopften Strassen verschwenden. Das geht alles an der Freizeit ab.

Einige Expats beneiden uns für den Mut, freiwillig „ein Leben auf der Strasse“ zu führen. Auch bei den Einheimischen ist das Interesse gross. Täglich fahren fette Karren an den Strand. Die Insassen lassen die verdunkelten Scheiben herunter und fotografieren mit Smartphones die Overlander-Trucks.

Beim MAN hat ein Tagfahrlicht den Geist aufgegeben. Voller Zuversicht holt Fritz seine „Original MAN Heavy Duty Box“ mit den Ersatzbirnen hervor. Nur blöd, aber genau diese Birne ist nicht vorhanden. Das Tagfahrlicht ist nur in wenigen Ländern Vorschrift und wir bekommen auch täglich mehrmals Zeichen mit der Lichthupe, dass wir das Licht ausschalten sollen.

Im Dragon Mart wird alles Mögliche made in China oder made in Taiwan angeboten. Die  Ersatz-Birnen für den MAN können wir dort leider nicht bekommen. Dafür entdeckt Fritz weitere LED-Lampen und Frauchen schüttelt nur noch den Kopf. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als nochmals zur MAN-Garage zu fahren. Dort geben sie die Fahrgestell-Nummer ein und sehen im Compi jede einzelne Komponente, welche bei unserem MAN verbaut worden ist. Es dauert nicht lange und wir erhalten die benötigten Birnen. Dank Zugriff auf den Zentralrechner von MAN entfällt das Suchen nach einem passenden oder ähnlichen Ersatzteil auf Schrottplätzen. Wir lernen auch noch Fabian aus Deutschland kennen. Als Resident Engineer ist er seit 7 Jahren bei MAN in Dubai verantwortlich für die Region Middle East. Wenn wir ein Problem haben, können wir ihn jederzeit kontaktieren.

Wir fahren noch nach Abu Dhabi und wollen uns dort eine der grössten Moscheen der Welt anschauen. Die Shaikh Zayed Grand Mosque ist komplett aus weissem italienischem Marmor gebaut. Die weisse Farbe wurde als Symbol für den Frieden gewählt. Beeindruckend sind die Intarsien aus Edelsteinen, der weltgrösste handgeknüpfte Teppich aus dem Iran und die grossen Swarowski-Kristall-Kronleuchter. Der grösste davon hat einen Durchmesser von 15 Metern, eine Höhe von 10 Metern und das unglaubliche Gewicht von 9,5 Tonnen. Hier wurde nicht gekleckert, sondern richtig geklotzt. 430 Millionen EURO soll der Bau gekostet haben. Ironie des Schicksals: Die erste Zeremonie in der Moschee war das Begräbnis des Erbauers Shaikh Zayed im Jahre 2004.

Leider werden in Abu Dhabi zur Zeit keine Transitvisa für Saudi-Ariabien ausgestellt. Somit ist die Heimreise via Jordanien, Israel und mit einer Fähre nach Italien oder Griechenland zur Zeit nicht möglich. Eine Weltreise lässt sich nicht bis ins letzte Detail planen. Manchmal zwingen einen die Umstände, eine andere Route als ursprünglich geplant zu wählen oder es ergeben sich unverhofft neue Möglichkeiten. Mittlerweile leben wir nach dem Motto: Plans are made to be changed ;-))

Wir wollten uns das komplizierte Prozedere mit der iranischen RoRo-Fähre über die Strasse von Hormuz im Leben nie mehr antun. Zum Glück verschiffen Heike und Hermann wie wir auch am 28. Februar. Geteiltes Leid ist halbes Leid ;)) Am Vorabend treffen wir uns am Strand von Sharjah.

Am Tag der Verschiffung müssen wir um 11 Uhr im Hafen sein. Die Agentur Al Hili erledigt für uns beim Zoll das Ausstempeln des Carnets und die Ueberprüfung der Wagenpapiere. Wir müssen lediglich beim Zoll noch 15 AED und für die Inspektion 20 AED hinblättern. Nach der Ueberprüfung der Trucks geben wir noch die letzten Dirhams im Duty Free aus. Dann warten wir im Schatten von Schuppen 6. Um 16 Uhr können die Trucks auf die Fähre gefahren werden. Wir werden zur Immigration gebracht. Dort warten wir fast 3 Stunden auf die Abfertigung. Endlich dürfen wir auf die Fähre und uns in unsere Fahrzeuge verkrümeln. Kurz vor der Abfahrt erhalten wir vom Inder noch die Bill of Lading. Mit nur einer Stunde Verspätung legt die mit brandneuen japanischen und koreanischen Kleinwagen vollbeladene „Hormuz 12“ ab.

Die Abfertigung in Bandar Abbas dauert trotz der Hilfe eines Agenten volle zehn Stunden. Es ist schon dunkel, als wir endlich unsere eingestempelten Carnets zurückerhalten. Zwei australische Töff-Fahrer stellen fest, dass ihr Carnet nicht bearbeitet worden ist. Ihr Agent hatte sich plötzlich aus dem Staub gemacht. Sie mussten ihm im Voraus schon Geld für irgendwelche Spesen bezahlen. Später haben sie sich dann an unseren „Grenzhelfer“ gewendet.

Der Oman ist wirklich ein traumhaftes Ueberwinterungsziel. Aber die Verschiffungen von Bandar Abbas nach Sharjah und zurück sind vom Preis-/Leistungsverhältnis und von der Abfertigung her ein wahrer Albtraum. Bei der Fährgesellschaft Valfajr haben sie uns mit einem süffisanten Lächeln gesagt: Do you have any other options? Wir hoffen sehr, dass die arabische Halbinsel eines Tages wieder auf dem Landweg erreicht werden kann.