03.2016 iran - türkei - heimreise

Völlig geschafft vom endlosen Grenzvorgang im Hafen von Bandar Abbas fahren wir mit Heike und Hermann zu einem öffentlichen Park. Der dichte Verkehr und die unkontrollierte Fahrweise der Iraner erfordern höchste Konzentration. Kaum haben wir uns im Park niedergelassen, da erscheinen auch schon die Sittenwächter. Im Auto sitzen vorne zwei Herren und hinten zwei Damen. Die Anlage ist ziemlich belebt und viele junge Menschen rauchen Wasserpfeife. Plötzlich taucht die Polizei auf. Kaum sind die Polizisten aus dem Fahrzeug ausgestiegen, sind alle Raucher schon verschwunden. Die einen haben sich mit PKW’s davon gemacht, die anderen rennen mit den Shishas ins offene Meer hinaus. Es herrscht gerade Ebbe. Offenbar wurde nach Drogen gesucht. Sobald die Ordnungshüter abgezogen sind, tauchen auch schon die ersten Shisha-Raucher langsam wieder auf.

Eigentlich wollten wir auf die Qeshm Insel übersetzen. Fritz hat aber endgültig die Schnauze voll von Strand und Wärme. So beschliessen wir spontan, mit Heike und Hermann Richtung Bam zu fahren.

Schon bald bewegen wir uns auf Höhen zwischen 2000 – 2500 m. Es wird merklich kühler, was wir auch als sehr angenehm empfinden.

Am 26.12.2003 bebte die Erde in Bam (6,3 auf der Richterskala). 30'000 Menschen starben und die halbe Stadt wurde zerstört. Heute nach mehr als 12 Jahren sind sie Schäden immer noch sichtbar. Die Citadelle und einige Gebäude sind teilweise rekonstruiert worden. Sonst herrscht in der historischen Altstadt immer noch ein heilloses Chaos. Momentan beeindruckt sie nur durch ihre Grösse.

Wir fahren durch die farbigen Berge nach Shahdad in der Wüste Lut. Im Oktober letzten Jahres haben wir schon im Kaviri Camp übernachtet. Wir sind wieder begeistert von den skurrilen Formationen der Kalouts. Auch Heike und Hermann haben Spass, im Sand zwischen den erodierten Lehmhügeln herumzukurven. Von hier wollten wir Richtung Norden fahren. Die auf der Karte eingezeichnete Strasse existiert aber in Wirklichkeit gar nicht. Eine Teerstrasse führt mitten durch die Wüste Lut Richtung Osten an die afghanische Grenze. Dank der neuen Strasse könne der Opiumschmuggel aus Afghanistan besser kontrolliert werden. Ein komisches Gefühl. Wir wählen unseren Nachtplatz diesmal besonders sorgfältig aus. Trotzdem findet uns das Militär im Dunkeln und kontrolliert uns. Alles kein Problem – wir seien hier sicher. Ab Nehbandan fahren wir unweit der afghanischen Grenze nordwärts. Es gibt unzählige Kontrollposten. Wir werden aber immer korrekt und freundlich behandelt. 

Als wir das letzte Mal nach Yazd gefahren sind, haben wir den Kultplatz der Zoroastrier – Chakchak – nicht besucht. Diesmal wollen wir aber hin. Die Anlage verbirgt sich hinter Felsen und ist daher von weitem nicht sichtbar. Bis zum Heiligtum sind viele steile Stufen zu überwinden. Am Eingang hängt ein verblasstes Schild mit dem Hinweis, dass Frauen während der Menstruation nicht eintreten dürfen. In der Nähe finden wir dann einen sehr schönen und ruhigen Uebernachtungsplatz. Es erstaunt schon, dass wir in dieser abgelegenen Gegend HighSpeed Internet-Empfang haben.

Nach Yazd ist es nun nicht mehr weit. Vom Flair dieser Lehmstadt mit ihren Windtürmen sind wir einmal mehr begeistert. Rund um die Freitagsmoschee ist zwar alles auf die Touristen ausgerichtet, aber der Basar ist noch ziemlich ursprünglich.

In Kashan werden wir von der „Secret Police“ angehalten. Wir verlangen, dass sie sich erst ausweisen müssen, bevor wir ihnen unsere Pässe zeigen. Sie notieren die Personalien und die Visa-Nummern. Heike ergreift die Gelegenheit und fragt die zivile Polizei, ob sie uns nicht zu einer guten Metzgerei führen könnten. Das machen sie dann auch. Der Metzger erschrickt zwar ein bisschen, als wir mit unserer Begleitung auftauchen. Aber er verkauft uns das beste Fleisch zum einheimischen Preis. In der Kavir Wüste veranstalten wir dann bei der Marenjab Düne eine richtige Grill-Party.

Am Rande von Teheran behauptet ein Autofahrer plötzlich, wir hätten ihn am Heck touchiert. Wir haben nichts gesehen und nichts bemerkt. Weder bei ihm noch bei uns sind irgendwelche Farbspuren zu erkennen. Die vielen Dellen an seinem Auto sind schon alt und können unmöglich von uns stammen. Der angeblich Geschädigte fordert auch gleich einen Betrag in USD. Der Mob um uns herum wird immer grösser und auch die eingetroffene Polizei ist gegen uns. Obwohl unschuldig, sehen wir keine andere Möglichkeit, als uns möglichst schnell mit dem Kläger zu einigen und dann nichts wie weg.

Wir fahren noch dem kaspischen Meer entlang bis an die aserbaidschanische Grenze. Landschaftlich wahrlich kein Highlight. Sumpf, Sumpf – soweit das Auge reicht.

Bald sind wir im El Goli Park in Tabriz. Heike und Rosmarie wollen noch in den Basar, um Geld zu wechseln. Vor dem Park stehen die Taxi-Fahrer und warten auf Kundschaft. Leider verstehen sie überhaupt nicht, was die zwei Damen wünschen. Im Iran gibt es viele Personen, die mit ihrem Privatauto Leute herumchauffieren und sich so etwas dazuverdienen wollen. Bei den Taxi-Fahrern ist so einer, der gut Englisch spricht. Heike und Rosmarie einigen sich mit ihm auf 200'000. Der Fahrer bringt die beiden zum Basar. Dort verhandelt er mit den Geldwechslern vom Auto aus und kassiert wohl auch noch seine Kommission. Die zwei erklären dem Chauffeur, dass sie noch eine CD und etwas zu essen kaufen möchten. Klar hält er vor dem teuersten Restaurant der Stadt und mischt auch noch mit. Zurück beim El Goli Park denken Heike und Rosmarie, 200'000 Rial (ca. 5 US Dollar) seien wegen der Zusatzschlaufe doch etwas zu wenig und geben ihm 20 US Dollar. Nein, er meinte 200'000 Toman (ca. 50 US Dollar) und nicht 200'000 Rial. Der Mann ist stinke sauer und will „three more“. Er wollte wohl 30 US Dollar zusätzlich. Rosmarie hat seit einiger Zeit drei alte, zerfledderte 1-Dollar-Noten in der Geldbörse. Diese wirft sie dem „Pseudo-Taxi-Fahrer“ schnell hin und macht sich zusammen mit Heike aus dem Staub. (Damals in Marokko erzählte uns ein Knabe, dass er von einem Ami drei US Dollar als Trinkgeld bekommen habe. Er könne damit leider nichts anfangen und würde uns gerne etwas abkaufen. Also tauschten wir MBudget Schokoladen gegen die 3 Ein-Dollar Noten.)

Am Abend ist im El Goli Park die Hölle los. Ein junger Iraner hat uns freundlicherweise vorgewarnt. Der Winter soll mit möglichst viel Lärm vertrieben werden. Es werden Knaller und Kracher losgelassen. Ruhiger wird es erst als im Morgengrauen starker Schneefall einsetzt. Das wiederum bereitet uns etwas Sorge. Bei Schneetreiben fahren wir nach Maku nahe der iranisch-türkischen Grenze. Dort füllen wir mit den letzten iranischen Rials unsere Dieseltanks randvoll. Schon vor der Grenze bestürmen uns die Geldwechsler. Einer zeigt uns sogar den Stinkefinger, weil wir kein Geld umtauschen wollen. Immer wieder haben wir gehört, dass Reisende an der iranisch-türkischen Grenze eine Dieselsteuer entrichten mussten. Im Reiseführer steht aber ganz klar, dass es dazu keine rechtliche Grundlage gäbe und man sich dagegen wehren sollte. Wir sind gespannt. Erst müssen wir die aufdringlichen „Grenzhelfer“ abschütteln. Dann werden auf der iranischen Seite zuerst die Carnets bearbeitet. Im Passagierterminal bekommen wir dann die Ausreisestempel in die Pässe. Das Tor wird geöffnet und wir können auf die türkische Seite wechseln. Es ist bitterkalt und windig. Beim Anstehen für die Personeneinreise erfrieren wir beinahe. Ein Iraner macht Rosmarie darauf aufmerksam, dass sie das Kopftuch doch endlich ablegen könne. Sie hat es nur wegen der Kälte nicht sofort vom Kopf gerissen. Beim Schalter für die temporäre Autoeinfuhr wollen sie die grüne Versicherungskarte sehen. Dann wird das Fahrzeug in den Pass des Halters eingetragen. Ein Zöllner schaut noch kurz in die Wohnkabinen. Auf beiden Seiten der Grenze keine Rede von Dieselsteuer. Die Sonne scheint und wir erblicken den schneebedeckten Ararat. Schon bald sind wir in Doğubayazıt. Letztes Jahr standen wir hier im Stau wegen einer Schiesserei zwischen dem Militär und der PKK. Heute jedoch ist alles ruhig. Von der Grenze bei Doğubayazıt führt die mautfreie, autobahnähnlich ausgebaute D100 quer durch die Türkei bis Edirne. Es herrscht wenig Verkehr. Kaum eine Menschenseele ist zu sehen. Vor Istanbul entscheiden wir, dass wir das Marmarameer südlich umfahren wollen. Bei Lâpseki nehmen wir die Fähre über die Dardanellen. Der Grenzübergang von der Türkei nach Griechenland erscheint uns wie ein Traum. In wenigen Minuten sind wir durch. In Alexandropoulis stellen wir uns auf den grossen Parkplatz beim Hafen. Wir finden ein super Lokal, wo wir uns mit Hochgenuss über die herrlichen griechischen Spezialitäten hermachen. Kurz nach Thessaloniki verabschieden wir uns von Heike, Hermann und deren Hündin Aspros. Die drei machen sich auf den Weg in ihre zweite Heimat auf Kreta. Wir düsen auf der E90 bis nach Igoumenitsa. Beim Hafenterminal erkundigen wir uns bei den verschiedenen Fährgesellschaften nach den Preisen für eine Fährpassage nach Ancona. Camping an Bord gibt es erst ab 1. April. Bei einer Gesellschaft ist der Preis erstaunlicherweise für 2 Personen in einer Kabine + Camper 60 % günstiger als bei den anderen. Es ist aber auch die einzige, bei der niemand nach der Grösse des Fahrzeuges gefragt hat. Bei der Einfahrt in das Hafengelände nehmen sie die Wohnkabine fast auseinander. Jede Ecke wird inspiziert. Kurz vor dem Einschiffen werden die Tickets eingezogen. Der Kontrolleur meint, wir hätten die falsche Kategorie gebucht. Wir müssten zurück zum Schalter und ein neues Ticket kaufen. Da wir eines der letzten Fahrzeuge sind und die Fähre eh schon Verspätung hat, weigern wir uns vehement. Dann will ein Angestellter unsere Pässe einziehen. Das hat gerade noch gefehlt. Ein Palaver hin und her. Der Lademeister winkt ungeduldig und Fritz fährt dann einfach auf die Fähre. Am nächsten Morgen werden wir zur Rezeption gebeten. Wir sollen nachzahlen. Rosmarie sagt dem zuständigen Mann, dass sie extrem beleidigt sei, wenn er meine, dass sie bescheissen wollte. Schliesslich habe niemand nach den Aussenmassen des Campers gefragt und wir glaubten an einen Einheitstarif. Der Offizier – richtig gentlemanlike – sieht das ein und erlässt uns den Aufpreis.

In Ancona kommt uns die Idee, dass wir unsere „Overlander-Freunde“ in der Nähe von München beim traditionellen Ostertreffen überraschen könnten. Am Ostersamstag erreichen wir Martin’s Hof. Schon von weitem leuchtet der gelbe Magirus von Karl-Heinz "Ben Nemsi". Die grösste Ueberraschung ist dann die Pistenkuh. Sabine und Burkhard müssen geflogen sein. Wir freuen uns sehr, so viele bekannte Gesichter zu sehen. Marion macht Schweinebraten, Kartoffelknödel, Leberknödel und Salate für 60 Personen. Einfach lecker! Barbara witzelt noch, dass die Oman-Besucher wegen der langen Schweinefleisch-Abstinenz bestimmt Durchfall kriegen werden ;-))

Auf unserer Reise war jeder Wurst-Kauf ein Reinfall. Am Schluss haben sich immer die Streuner darüber gefreut. Umso mehr geniessen wir jetzt eine feine Weisswurst mit einem bayrischen Weissbier.

 


track

10 Monate – 15 Länder – 35'000 km

 (Deutschland – Schweiz – Italien – Slowenien - Kroatien – Bosnien und Herzegowina – Montenegro – Albanien – Griechenland – Türkei – Georgien – Armenien – Iran – Vereinigte Arabische Emirate – Oman - VAE - Iran - Türkei - Griechenland - Italien - Schweiz)