47 tage auf hoher see - ankunft in südamerika  10.2016

47 Tage auf hoher See

Am 30. August 2016 treffen wir im Hafen von Hamburg ein. Dort lernen wir die anderen Passagiere kennen. Zu diesem Zeitpunkt ahnen wir noch nicht, dass wir zusammen statt der geplanten 32 Tage letztendlich 47 Tage auf der gammeligen Grande San Paolo verbringen werden.

Bei Sonnenuntergang tuckern wir auf der Elbe Richtung Ärmelkanal. Am nächsten Tag fahren wir schon auf der braunen Themse stromaufwärts nach Tilbury. Dort werden weitere Schrottautos und LKW’s in desolatem Zustand mit Ziel Westafrika verladen.

In Antwerpen werden die kaputten Autos mit Gabelstaplern an Bord gebracht. Dann warten wir ein paar weitere Tage auf Fracht. Langsam gewöhnen wir uns an den neuen Tagesablauf: 07.30 h Frühstück – 11.00 h Mittagessen – 18.00 h Nachtessen. Pasta, Pasta, Pasta und nochmals Pasta - samstags zur Abwechslung Pizza. Der italienische Kapitän gibt uns Passagieren bald zu verstehen, dass er uns als lästiges Beigemüse empfindet. Kaum haben wir das europäische Hoheitsgebiet verlassen, wird bei unserem Frachter von Biodiesel auf Schweröl umgestellt. Entsprechend ist der Rauch plötzlich schwarz und der Gestank am Heck unerträglich. Das ganze obere Deck ist bald übersät mit öligen Russpartikeln aus den Schornsteinen.

Vor Dakar müssen wir drei Tage ankern bevor wir in den Hafen einlaufen können. Erst kommen die „Offiziellen“ an Bord und erledigen das Administrative. Sie verlassen anschliessend die Grande San Paolo mit Zigaretten und Pepsi im Wert von mehreren hundert Dollars. Bald werden die für Dakar bestimmten Karren von Bord gefahren oder geschoben. Vom 1. Offizier bekommen wir ein Verbot für die Garage. Wir dürfen unsere Fahrzeuge nicht bewachen. Es gebe genug Security und wir sollen uns keine Sorgen machen. Dasselbe spielt sich in Conakry und Freetown ab. In Sierra Leone sind wir über die grosse Armut der Leute erstaunt. Sie wohnen in Hütten am Strand und wühlen im Müll. Uns erstaunt es daher nicht, dass auf dem Atlantik zwei blinde Passagiere an Bord entdeckt werden. Die Jungs sind als Fahrer getarnt auf das Schiff gekommen. In einem unbemerkten Moment sind sie durch die Dachluke in ein Wohnmobil eingedrungen und haben sich dort versteckt. Später werden sie in der Zelle neben dem Hospital eingeschlossen und mit Essen und Getränken versorgt. Ihr Pech ist, dass sie das falsche Schiff erwischt haben. Die jungen Männer wollten nach Europa und nicht nach Südamerika. Im ersten brasilianischen Hafen Vitoria übergibt der Kapitän die „Clandestinos“ den Behörden und er muss fast einen Tag lang verhandeln.

In Rio de Janeiro hat der Grimaldi-Agent einen Touristenbus für unsere Gruppe organisiert. Wir werden zu Sehenswürdigkeiten wie „Karneval-Werkstatt“, Christusstatue und Copacabana geführt.

Vor Rio Grande ankern wir dann wieder drei Tage lang bis endlich im kleinen Hafen zwei Nobel-Karossen abgeladen werden. Als wir den Rio de la Plata erreichen, schauen wir sehnsüchtig zum Hafen von Montevideo. Lange bewundern wir auch die Skyline von Buenos Aires. Wir müssen aber zuerst noch zum modernen Hafen von Zarate im Landesinnern von Argentinien. Die Fahrt auf dem Rio Paraná ist für uns eines der Highlights dieser Frachtschiffreise. Wir sehen weit in das Delta hinein. Unglaublich, dass dieser stark mäandrierende, nicht sehr breite Fluss von vielen Tankern und Frachtern befahren wird. Am 15. Oktober, dem 47. Tag unserer Schiffsreise, können wir in Montevideo endlich von Bord gehen.

 

Ankunft in Südamerika

Im Paraíso Suizo treffen wir dann Martina und Lothar. Die beiden haben wir das letzte Mal vor vier Jahren in Mexiko gesehen. Auch Claudia und Uwe mit Hündin Mia sind auf dem Platz. Die drei kannten wir bisher nur vom Hören sagen. Zu unserer Überraschung stehen da auch Nelly und Tony, die wir vor „langer“ Zeit in Fairbanks kennen gelernt haben. Wir sprechen auch noch mit Karin und Thomas. Ihr Fahrzeug kam unbegleitet mit der Grande San Paolo in Montevideo an. Die Dachluke ist zerstört und im Inneren sieht es aus als hätte eine Bombe eingeschlagen. Die „Schwarzfahrer“ haben die Push-Locks ruiniert und alle Säcke aufgerissen – auch der von der Holzkohle. Es fehlen aber nur 2 Esslöffel und dafür haben die zwei ein Handtuch „geerbt“. Karin und Thoms ärgern sich, dass sie nicht mit „EUKOR Car Carriers“ verschifft haben. Diese Linie fährt scheinbar von Deutschland bis Südamerika keine afrikanischen Häfen an.

Nach vier Tagen haben wir das Gefühl, wir seien nun in Südamerika „angekommen“ und nehmen den langen Weg zur Península Valdés unter die Räder. In Punta Pardelas erwarten uns Renate und Bruno mit Lola und Pepamobil. Sie beobachten seit vier Monaten die Wale rund um den Golfo Nuevo. Auch die Simone und Olaf sind schon eine Weile hier.

Die meisten Wale haben sich bereits auf den langen Weg gemacht. Ein paar Mütter schwimmen mit ihren Babys fast täglich wenige Meter vom Felsplateau entfernt an uns vorbei.

 

Gefahrene Strecke 

Montevideo – Jaureguiberry (Paraíso Suizo) – Florencio Sanchez – Mercedes – Grenze Uruguay / Argentinien bei Gualeguaychú – Zárate – San Antonio de Areco – Trenque Lauquen – Bahía Blanca – Viedma – Puerto Madryn – Península Valdés