patagonien - feuerland  12.2016

 

 

 

An Rosmarie’s 61. Geburtstag fahren wir zum Perito Moreno Gletscher. Leider gibt es keinen Gratiseintritt für Geburtstagskinder. Viel mehr müssen wir uns wieder an die krasse Preisdiskriminierung gegenüber Ausländern gewöhnen. Also drücken wir umgerechnet CHF 50 ab, damit wir in den Park fahren dürfen.

 

 

 

 

Der Perito Moreno Gletscher nimmt jährlich massiv an Höhe ab. Er ist aber einer der wenigen Gletscher, die in der Länge noch wachsen. Vor dem Gletscher gibt es ein Labyrinth mit Stegen. Die Besucherströme werden so erstaunlich gut verteilt.

Um zum Torres del Paine Nationalpark zu gelangen, müssen wir wieder einmal einen Grenzübertritt hinter uns bringen. Inzwischen wissen wir, dass die Chilenen alle Schränke öffnen und Honig, rohes Fleisch, Gemüse und Früchte konfiszieren. Wir sind mittlerweile schon „Profis“ und kochen alles Verdächtige vor. Im Vorrat haben wir dann Eintopfgerichte, Öpfelstückli, Gschwellti, gekochte Eier usw. Nur leider nehmen sie uns den organischen Abfall aus Argentinien jeweils nicht ab.

 

 

 

Vor dem Nationalpark campen wir an der Laguna Amarga und haben einen tollen Blick auf die Torres. Es gefällt uns sehr gut. Wir überlegen, ob wir überhaupt in den Park fahren sollen. Der Eintritt ist etwa so hoch wie ein Jahrespass für die US Nationalparks.

 

 

 

 

 

 

Nun sind wir schon einmal hier und wollen uns die Highlights nicht entgehen lassen. Wir haben Wetter-Glück und sehen die Torres von verschiedenen Seiten und auch die Cuernos, die uns an das Matterhorn erinnern.

In Punta Arenas besuchen wir die Zona Franca. Wir möchten einen Fotoapparat mit einem stärkeren Zoom kaufen. Leider bieten sie nur Ladenhüter an. Auch sonst sind wir vom Angebot in der Freihandelszone eher enttäuscht. Wahrscheinlich haben die Argentinier schon alles abgeräumt. Sie kommen jedes Wochenende in Heerscharen nach Chile, um günstig einzukaufen. Darum streiken die chilenischen Zöllner dann und wann, weil ihnen die Einkaufstouristen zu viel Arbeit bescheren. Immerhin können wir unsere Tanks mit günstigem Diesel randvoll füllen.

 

Auf der Fähre von Punta Arenas nach Porvenir treffen wir auf eine schwedische Reisegruppe. Die Schweden haben eine Vogelbeobachtungsreise in Chile gebucht. Die einen haben unwahrscheinliche Geschosse von Fotoapparaten und Teleobjektiven dabei. Ein pensionierter Radiologe ist nur mit einem Feldstecher bewaffnet. Er erklärt uns, er habe in seinem Leben schon genügend Bilder analysiert. Ihm reicht es, wenn er die unterwegs gewonnenen Eindrücke im Gedächtnis speichert.   

 

 

In Onaisin besuchen wir die Königspinguin-Kolonie. Der Ranger erklärt uns, dass der Fortpflanzungserfolg bei den Königspinguinen sehr gering sei. Denn sterben die Eltern von einem Jungen, so wird es von den anderen Erwachsenen im Stich gelassen. Es ist unweigerlich zum Tode verurteilt. Anders bei den Magellan-Pinguinen. Diese adoptieren die Waisen und füttern sie mit.   

Durch einen Märchenwald fahren wir zum Lago Blanco. Ein traumhafter Ort. Der See ist mit Didymo verseucht. Wir haben keine Ahnung, ob das Wasser nun trinkbar ist oder nicht. Eine Anfrage bei Dr. Google scheitert, weil wir hier kein Netz haben. Eine paradoxe Situation, da unsere Wassertanks bald leer sind. Erst später werden wir erfahren, dass es sich um eine eine Algenart handelt, die sich unkontrolliert ausbreitet. Sie zerstört das Ökosystem und die Futterquellen der Fische. Ein einziger Tropfen genügt, um die Plage in ein anderes Gewässer zu verschleppen. Für den Menschen bestehen aber keine gesundheitlichen Risiken.

 

 

 

In Ushuaia – der südlichsten Stadt der Welt – halten sich schon einige Overlander auf. Der Parkplatz bei der Yamana Bar ist ein idealer Ort: Schnelles free WiFi von der geschlossenen Bar, Wasserhahn um die Ecke, Supermärkte in Gehdistanz. Manchmal ist auch die Toilette vom nahen Sportzentrum offen. Polizisten laufen mehrmals am Tag vorbei. Sie machen aber nur aus Interesse Fotos von den Expedtionsmobilen.   

 

 

 

Für die Weihnachtsfeiertage suchen wir uns einen romantischeren Ort aus und fahren gemeinsam mit Silvia und Helmut auf die Estancia Haberton. Am Rio Varelo finden wir einen Traumplatz. Die Männer rüsten Holz für das Weihnachtsfeuer und die Frauen kümmern sich um das leibliche Wohl.   

Beim Eingang zum NP Tierra del Fuego sagt uns die Kassierin, es dürften nur Fahrzeuge mit maximal 6 Reifen in den Park fahren. Das Zauberwort von den mexikanischen Mautstellen „sencilla“ (Einzelbereifung) kommt uns sofort in den Sinn. Wir haben ja nur 6 Räder. Die arme Frau ist so verunsichert, dass sie den obersten Park Ranger ruft. Nein, es sind die 3 Achsen und die „dimensión“. Es fahren zwar grössere Autobusse in den Park, aber das ist offenbar nicht dasselbe. Schade, der Abschied von Silvia und Helmut ist dann ein bisschen abrupt. Die zwei müssen im Park noch für eine Bergtour rekognoszieren. Helmut ist diplomierter Bergführer und erwartet im neuen Jahr Gäste.   

 

 

Im NP Monte León sind wir plötzlich „gefangen“. Die Zufahrtsstrasse wurde wegen der starken Niederschläge gesperrt. Wir können den Park nicht verlassen und es kommt auch niemand mehr rein. Silvester feiern wir völlig einsam. Ein Glück, dass wir genug zum Essen und Trinken dabei haben. Welch ein Gegensatz zur Silvester-Feier in Dubai vor einem Jahr.   

Gefahrene Strecke

El Calafate – Glaciar Perito Moreno – Lago Roca – El Calafate - El Cerrito – Tapi Aike – Grenzübergang Argentinien / Chile beim Paso Rio Don Guillermo – Parque Nacional Torres del Paine – Puerto Natales – Punta Arenas – Centro Geografico de Chile – Pta. San Juan (südlichster mit dem Auto erreichbarer Punkt auf dem amerikanischen Kontinent) – Punta Arenas – Fähre nach Porvenir (Feuerland) – Königspinguin-Kolonie bei Onaisin – Cameron – Pampa Guanacos – Lago Blanco – Grenzübergang Chile / Argentinien beim Paso Rio Bellavista – Rio Grande – Ushuaia – Estancia Haberton – Rio Grande – Grenzübergang Argentinien / Chile beim Paso San Sebastián – Cerro Sombrero – Grenzübergang Chile / Argentinien beim Paso Integración Austral – Río Gallegos – Parque Nacional Monte León