kasachstan - kaspisches meer 2019

Wir wählen einen kleineren Grenzübergang von Russland nach Kasachstan. Was für ein Unterschied: Wir werden von den Beamten willkommen geheissen und sind erstaunlich schnell durch. In Shemonaikha tauschen wir die restlichen Rubel in kasachische Tenge um und kaufen eine SIM-Karte von Beeline. Bald schon finden wir einen einsamen Stellplatz in der Steppe. Was wir dringend brauchen, das ist ein Ruhetag.

In Kasachstan wird unser Fahrzeug im Gegensatz zu Russland meistens sofort als машина дома (Maschina Doma = "Fahrzeug-Haus") erkannt, da sie selber viele Bauwägen haben.

70 % der Bevölkerung in Kasachstan ist muslimisch. Das Bild ändert sich schlagartig. Statt Kathedralen mit Zwiebeltürmen nun wieder vermehrt Moscheen.

Aus der Umgebung von Öskemen stammen 20 % der weltweiten Titan-Produktion. Ebenfalls wird Uran zu Atombrennstäben verarbeitet. Dennoch setzt man voll auf Ökotourismus in der Altaj-Region. Der Weg von hier zu den Sibinsker Seen ist abenteuerlich. In dem Gebiet sind auch Bären unterwegs.

Kaum bei den Seen angekommen, ist unsere Hilfe gefragt. Wir müssen einen Radlader aus dem Morast ziehen.

Was uns dann auf der A3 bis Almaty erwartet, das spottet jeder Beschreibung. Während Tagen humpeln wir mit 30 km/h von einem Schlagloch zum anderen. Mehr als 1000 km. Zwischendurch erblicken wir chinesische Bautrupps, die eine neue Strasse bauen.

Vor Almaty campen wir am Kapschagaj Stausee mit Blick auf den Tien Schan. Wir wollen die E-Visa für Aserbaidschan online beantragen. Die Kreditkarte funktioniert nicht. Wir benützen sie selten. Dann bemerken wir, dass jemand ganz dreist auf unsere Kosten eingekauft hat. Die Limite wurde bis zum Maximum ausgeschöpft. Skype sei dank, können wir das alles klären und online Einsprache erheben. Der ganze Betrag wurde uns von der Kreditkartengesellschaft unkompliziert und schnell wieder gutgeschrieben.

Von Almaty zum Kaspischen Meer: Steppe, Weite, nur der Himmel über uns, Traumcamps, Kamele, wilde Pferde, dann und wann eine Menschenseele.

Manchmal machen wir eine Pause in einem Roadcafé. Die LKW-Fahrer können da auch ein Nickerchen machen oder die Mahlzeiten liegend einnehmen. Die Mädels wollen immer mit Fritz fotografiert werden. Anschliessend werden die Aufnahmen sofort per WhatsApp verschickt. Ein Menü besteht zu 100 % aus Fleisch. Wer unbedingt eine Gemüsebeilage will, der bekommt nur rohe Zwiebelschnitze. Schwere Zeiten für Vegetarier und Veganer.

Ein Besuch des Weltraumbahnhofs von Baikonur müsste lange im Voraus geplant werden. Wir bekommen von Weitem nur eine Substation zu Gesicht.

Die Stadt АРАЛ (Aral) war einst das Zentrum der Fischerei am Aral-See. Durch die Austrocknung des Sees sind hier die Lebensbedingungen sehr schlecht geworden und die Arbeitslosigkeit ist hoch.

Die Polizei - dein Freund und Helfer - nicht so in Kasachstan. Es sind vor allem die jungen Polizisten, die auf Beute aus sind. Der Trick: Sie haben alle ein Tablet mit einer speziellen App. Nur sollten sie vorher noch etwas üben ;-) oder vielleicht hat die App noch zu viele "Bugs". Es kommt uns ein  weisses Polizeiauto entgegen. Die Beamten bedeuten uns, dass wir anhalten sollen. Ein Polizist mit Babyface kommt auf uns zu und wedelt mit seinem Tablet. Auf dem Tablet ist tatsächlich ein Foto von unserem Truck. Der Beamte fingert nervös auf seinem Tablet rum. Rosmarie schaut demonstrativ auf die 3 Digits: 000. Der junge Mann kriegt das nicht hin und sagt plötzlich, dass wir weiter fahren sollen.

Beim nächsten Polizeiauto dasselbe. Einer der Polizeibeamten steigt aus und macht Smalltalk mit uns bis sein Kollege im Auto ein Zeichen gibt. Es war offenbar ziemlich kompliziert die Ziffern 087 in die App reinzukriegen. Wir sind höchstens die erlaubten 70 km/h gefahren. Fritz muss ins Polizeiauto steigen. Einen Fuss platziert er zur Sicherheit im Türspalt. Rosmarie wird weggeschickt. Erste Frage: Geld oder Protokoll? Weder noch!! Fritz akzeptiert nur das Resultat von der Radarpistole vorne im Auto. Und die war gar nicht an! Die jungen Polizisten werfen Fritz fluchend aus dem Auto.

Wir fahren auf einer 4-spurigen Strasse (kein LKW-Fahrverbot, keine Gewichtsbeschränkung) nach Türkistan rein. Es dauert nicht lange und wir werden von der Polizei angehalten. Unser Fahrzeug sei zu gross. Ein US-Kasache will vermitteln. Er sagt uns, wir sollen dem Polizisten etwas Geld geben. Dann könnten wir weiterfahren. So seien eben die Spielregeln in Kasachstan. Korruption unterstützen wir nicht. Als wir umdrehen, will uns der Polizist sogar mit Blaulicht zur Moschee begleiten. Zu spät.

Unser 30-tägiges Visum läuft bald aus. Einen Besuch des

Ustjurt-Plateaus mit seinen weissen Kalksteinbergen, Canyons und Cliffs heben wir uns für ein anderes Mal auf.

Kurz vor dem Hafen von Kuryk (südlich von Aktau) decken wir uns in der Ortschaft noch mit Esswaren und Getränken ein. Auf dem Parkplatz vor dem Hafengelände treffen wir auf eine Gruppe türkischer Fernfahrer. Sie sind schon ein paar Tage vor Ort und wissen auch nicht, wann die nächste Fähre ablegt. Vielleicht heute Abend, oder Morgen oder irgendwann - Inschallah! Die Truppe fährt jeden Monat Teile für Erdgas-Anlagen von der Türkei nach Kasachstan. Sie kennen das Prozedere. Fahrpläne gibt es nicht - gefahren wird erst, wenn genug Fracht da ist. Der Hafen ist brandneu und Teil des chinesischen "Seidenstrassen-Bahnprojekts". 

Die Türken können sich ohne Probleme mit den zentralasiatischen Völkern verständigen. So ist auch Kasachisch eine Turk-Sprache. Mehmet spricht deutsch und ist uns eine grosse Hilfe. Täglich werden wir zur Teerunde eingeladen. Nach vier Tagen kommt endlich Bewegung in die Sache. Gebucht sind wir auf die MS Professor Gul.

Die MS Professor Gul ist nichts für Zartbesaitete. Eine Olga mit leidender Miene verteilt die Zimmerschlüssel und die Bettwäsche. Täglich gibt es drei Mahlzeiten und nachmittags Tee und Kekse. Die Überfahrt dauert ca. 30 Stunden. Zum Glück gibt es keinen Sturm, denn die Rettungsboote schauen nicht gerade vertrauenserweckend aus.