unser reisejahr 2020  -  im banne von covid-19

Die Anzeichen mehren sich, dass sich COVID-19 zu einer weltweiten Pandemie ausbreiten könnte. Ende Februar 2020 verlassen wir Marokko mit einer Fähre von GNV und erreichen Genua drei Tage später. 

Die italienischen Zöllner tragen Handschuhe und Mundschutz. Auch bei den Mautstationen schützen sich die Angestellten. Wir sind vorsichtig und desinfizieren unsere Hände nach jeder Zahlstelle. Beim Zoll in Chiasso müssen wir noch das Carnet abstempeln lassen. Hier herrscht Courant normal - als würde sich das Virus an Grenzen halten.

Noch bevor die EU im März 2020 die Grenzen dichtmacht, fahren wir nach Deutschland. Ein Lockdown wird angekündigt. Hamsterkäufe - leere Regale bei WC-Papier, Haushaltpapier und unverderblichen Lebensmitteln wie Reis, Teigwaren, getrockneten Hülsenfrüchten, Mehl, Büchsenfood etc. 

Touristische Übernachtungen auf Campings und Stellplätzen sind nicht mehr erlaubt. Wir flüchten in unser Basislager B.

Im April dann die Pflicht zur Bedeckung von Mund und Nase beim Einkaufen und im öffentlichen Verkehr. Auf die Schnelle sind keine Atemschutzmasken mehr erhältlich. Im Internet gibt es viele DIY-Anleitungen für Stoffmasken. Gummibänder und Stoffe ausverkauft. Jetzt müssen eben alte T-Shirts dran glauben.

Mitte Juni 2020 werden endlich die Massnahmen gelockert und die Grenzen innerhalb von Europa wieder geöffnet. Auf unserer Route nach Norwegen besuchen wir alte Reisefreunde.

Auf der grossen Wiese bei Heike und Hermann in der Nähe von Frankfurt.

Bei Kerstin und Thorben im Sauerland. Sie besitzen einen traumhaften Einödhof auf einer Anhöhe umgeben von Wiesen und Wäldern. Hier findet man Freiheit, Einsamkeit und Ruhe. Damals auf Kreta am Strand von Elafonisi haben uns die beiden mit dem Skandinavien-Virus infiziert.

In Hirtshals (DK) warten wir auf die Fähre nach Kristiansand (N).

Kap Lindesnes - unser erster Übernachtungsplatz in Norwegen. Das ist der südlichste Punkt des Landes mit dem ältesten Leuchtturm Norwegens. Das Nordkap ist 2518 km entfernt - aber dorthin wollen wir nicht mehr.

Holzstädtchen Flekkefjord mit holländischem Flair. Der hässliche Stellplatz ist voll belegt mit norwegischen Wohnmobilen. Für uns ist an der Küste zu viel Trubel. Wir flüchten ins Landesinnere.

Auf dem Stellplatz in Tonstad spricht uns ein Mitarbeiter vom Sira-Kvina-Kraftwerk an. Er ist erstaunt, dass wir als Schweizer ausgerechnet hier gelandet sind. Zudem erklärt er uns, dass die ganze Freizeitanlage auf dem Aushub-Material vom Kraftwerksbau entstanden sei. Wir bekommen den Tipp, dass wir unbedingt die Strasse Nr. 450 von Sinnes nach Nomeland befahren sollen. Eine atemberaubende einspurige Strasse mit Ausweichstellen. Was wir in Norwegen noch oft erleben werden - die Einheimischen haben das voll im Griff und warten bei den Ausweichstellen - die Touristen mit den Mietwohnmobilen fahren einfach weiter bis sie hilflos vor uns stoppen und erwarten, dass wir zur nächsten Ausweichstelle zurücksetzen. Dann wird es jeweils spannend.

Von Eidfjord (0 m) führt uns eine Panoramastrasse mit Kehrtunnels auf die Hardangervidda (1250 m). Es ist die grösste Hochebene Europas und ein Paradies für Wanderer.

Die mittelalterliche Kirche Borgund ist die besterhaltene Stabkirche Norwegens - die meisten Teile sind noch im Originalzustand.  


Und wieder eine Traumstrasse - der Sognefjellsvegen - auf 108 km von 0 m auf 1434 m und dann wieder auf 0 m. 

Der Geirangerfjord gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe und ist einer der bekanntesten Fjorde Norwegens.

Es folgt eine weitere atemberaubende Landschaftsroute: Geiranger - Trollstigen.

Stellt euch einfach den Ørnevegen und den Trollstigen wie die Klausenpass-Strasse vor - zusätzlich mit Blick auf einen spektakulären Fjord. Rosmarie ist happy, dass Fritz so ein routinierter und guter LKW-Fahrer ist. Denn oft muss er in den Spitzkehren zurücksetzen.

Beim Kletterberg Trollveggen staunen wir nicht schlecht, als plötzlich ein Base-Jumper mit Wingsuit neben uns auf dem Parkplatz landet.

Røros: Bergbaustadt mit alten Kupferminen und urigen Holzhäusern. Seit 1980 UNESCO-Weltkulturerbe. 

In Bognes setzen wir mit der Fähre über auf die Inselgruppe der Vesterålen. Eine wichtige Einnahmequelle ist der Stockfisch. In den Wintermonaten wird der Dorsch gefangen und in den hohen Holzgestellen zum Trocknen aufgehängt.

Lofoten - Touristenmagnet, dramatische Landschaften, malerische Fischerdörfer und eine Glashütte.

Was will man uns Touristen mitteilen?

Uns haben die Vesterålen eh viel besser gefallen - ursprünglicher und vom Tourismus noch nicht so verdorben.

Auf der anderen Seite haben wir Verständnis dafür. Denn es gibt Reisende, die an wirklich unpassenden Orten campen und überall ihre Notdurft verrichten, ohne die Hinterlassenschaften zu beseitigen. Wir wollen gar nicht aufzählen, wie oft unser LKW schon als Sichtschutz für solche Zwecke missbraucht wurde.

Und muss man denn jeden entdeckten Platz sofort in eine App stellen? 

Wir sind wieder in Schwedisch-Lappland. Herrliche Plätze an Flüssen und Seen. Es herbstet schon - deshalb glücklicherweise mückenfrei.

Diesmal nehmen wir die Nachtfähre von Trelleborg nach Rostock. Schlafend in der Kabine können wir den Abstand zu den anderen Passagieren perfekt einhalten.

Im Vorfeld hatten wir keine Ahnung, wieviele Sehenswürdigkeiten Potsdam zu bieten hat und sind nun restlos begeistert. Der malerische Park Sansscouci mit dem weltberühmten Schloss Sanssouci, der historischen Mühle und dem mächtigen Neuen Palais ist einzigartig. Auch in Potsdam gibt es ein Brandenburger Tor. Was wir so nicht erwartet hätten - ein intaktes holländisches Viertel. Vielen Dank an Susanne und Matthias, dass sie uns Potsdam und Brandenburg näher gebracht haben.

Unseren "Fluss-Reise-Plan" geben wir schnell auf. Die Stellplätze an der Elbe, Main, Donau sind total überfüllt. Schon wieder flüchten wir ins Basislager B. 

Nach einem fast unbeschwerten Sommer kommt die Ernüchterung. Die Fallzahlen steigen wieder. Erneuter Lockdown.

 

Am 31.12.2020 feiern wir ein kleines Jubiläum - 10 Jahre Nomadenleben im Fahrzeug - on and off the road. Nie hätten wir uns vorstellen können, dass nach dieser Zeit immer noch so viele von uns unentdeckte Flecken auf der Landkarte existieren würden. Und sowieso niemals, dass die Reisefreiheit wegen eines fiesen, winzigen und unsichtbaren Monsters eines Tages extrem eingeschränkt werden könnte. Wir machen das Beste daraus, lernen ganz neue Sachen und schmieden Zukunftspläne.

 

In den 10 Jahren unseres Reiselebens wurden wir auf zwei sehr eindrucksvolle Erlebnisse immer wieder angesprochen:

Der Felsbrocken auf der White Rim Road (10.2011)

Die Flussfahrt auf dem Amazonas (09.2017)